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James Whitfield Bespoke —
Teil 2: Anprobe

James Whitfield ist unseres Wissens der einzige Savile-Row-Schneider, der in Deutschland ein Atelier betreibt. Wir kennen ihn seit einigen Jahren, jetzt wollten wir seine Schneiderkunst am eigenen Leib erleben. Werden Sie Zeuge durch unseren mehrteiligen Bericht.

Sie lesen Teil 2 in der Serie. Lesen Sie hier Teil 1: Londoner Eleganz in Berlin. Im dritten Teil sehen wir den fertigen Sakko.

Die erste Anprobe meines Sakkos bei James Whitfield in Berlin war eine Ansammlung von Premieren. Das erste Mal mit Mundschutz, das erste Mal wieder in der Stadt nach wochenlangem Aufenthalt auf dem Land, die erste Reise seit März. Und die erste Anprobe mit einem Londoner Schneider seit 2003.  

Als ich mit dem Fahrrad durch die Wilhelmshavener Straße in Berlin-Moabit rollte sah ich James zusammen mit einer jungen Frau im Café sitzen. Sie hatten gerade gezahlt und wollten aufbrechen. Die junge Frau stellte sich als seine Mitarbeiterin Marie heraus. Ich kannte sie schon vom Sehen bei Instagram. Sie hat bei James gelernt und arbeitet nun in seinem Atelier als Schneiderin.  

James trug ein Harris-Tweed Sakko mit Mittelschlitz, dazu 501-Jeans von Levi’s und mittelbraune, ziemlich abgetragene Desertboots von Clarks. Tweed im Mai, das ist typisch für James‘ Stil. Ich trug bereits ein leichtes Sakko aus Leinen und Baumwolle von Fabry & Hofmann in München, obwohl kein Sonnenschein für den Tag angesagt war. An diesem Morgen war Tweed auf jeden Fall gut tragbar. 

James hatte ja einen blauen Stoff anstelle des karierten von Scabal zugeschnitten, es handelte sich also um ein „toile fitting“. Für die Anprobe hatte James nach englischer Manier die Ärmel eingeheftet. Er findet, dass der Kunde so einen besseren Eindruck von dem Kleidungsstück bekommt. Ich finde auch, dass die Anprobe ohne Ärmel weniger aussagekräftig ist, besonders für Maß-Anfänger ist der Look ohne Ärmel schwerer einzuschätzen. 

Der Look der Jacke gefiel mir auf Anhieb gut und entsprach genau meinem Wunsch. Relativ eng am Körper anliegend, höher geschlossen mit drei Knöpfen, betonte Taille und akzentuierte, jedoch nicht ausgepolsterte Schultern. Damit mein Schulterknochen nicht heraussteht, hat James ein bisschen Einlage darüber gelegt. Unter dem Arm kniff die Jacke, das soll aber bei der nächsten Anprobe, für die James den finalen Stoff zuschneiden wird, behoben sein. Die Balance war schon sehr gut.  

 Gleich nachdem ich die Jacke übergezogen hatte und während Tommi Aittala noch seine Kamera vorbereitete, machte James sich schon am Rücken zu schaffen. Meine Schultern sind eckiger, als er es beim Schnitt vorgesehen hatte, dadurch gab es Faltenwurf. Das war schnell gemacht. Anschließend nahm James die Ärmel heraus und verbesserte die Passform der Jacke an der Brust und der Taille. Die Schulter wurde nicht neu gesteckt, bei englischen Schneidern habe ich diese Prozedur auch noch nie erlebt. Die Jacke soll insgesamt einen Tick länger werden, womit ich einverstanden bin. Die Taschen werden mit Patten gearbeitet. Im ersten Bericht hatte ich irrtümlich von aufgesetzten Taschen geschrieben. 

Nach der Anprobe hat James das Papierschnittmuster geändert. Dabei arbeitet er mit Schere, Stift und Heftklammern. Schätzungsweise zehn Minuten hat er dafür gebraucht. Später wird er mit Hilfe der korrigierte Schablonen den Schnitt auf den karierten Stoff von Scabal zeichnen und dann den Stoff zuschneiden. Die nächste Anprobe wird in etwa vier Wochen stattfinden.  

Fotografie von Tommi Aittala / Der Feine Herr.

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