Kit Blake. Englische Hosen “Made in Italy”

Traditionell geschnittene Hosen mit Bundfalten und Seitenschnallen sind bei Fans des sartorialen Looks sehr beliebt, von der Stange sind klassische Beinkleider aber nach wie vor selten zu haben. Diese Lücke will Kit Blake füllen.

Reine Hosenlabel waren bisher eine Domäne der Italiener. Dabei haben die Briten auch diese Idee schon vorher gehabt. Die berühmten Daks-Hosen waren jahrzehntelang das Synonym für hochgeschnittene Hosen mit Seitenschnallen. Das Hosenlabel Kit Blake knüpft in gewisser Weise an diese Tradition an. Christopher Modoo weiß noch, wie alles begann: „Kit Blake ist aus einem Gespräch heraus entstanden zwischen mir und dem Mit-Gründer Richard Wheat. Wir besprachen Möglichkeiten im Herrenmodemarkt und ich meinte, dass geschneiderte Hosen eine vernachlässigte Kategorie sind. Zwischen Skinny-Chinos und den Hosen von Anzügen hat man keine großen Wahlmöglichkeiten“. 

In der Tat ist es heute relativ schwierig, gut gemachte Hosen klassischen Zuschnitts zu bekommen. Und vor allem von der Stange. Natürlich kann man sich bei neapolitanischen Hosenschneidern wie Ambrosi oder Pommella auch sehr klassische Modelle nach Maß nähen lassen, die Preise sind allerdings recht hoch. Und nicht jeder sieht die Notwendigkeit für „bespoke“ bei einem Kleidungsstück, das sich bei intensiver Verwendung recht schnell abnutzt. Vor allem bedeutet „bespoke“ viel Zeitaufwand. Für Christopher Modoo war das ein wichtiger Aspekt: „Es ist immer schwieriger geworden, etwas so klassisches wie ein anständiges Paar grauer Flanellhosen zu kaufen – ohne die Kosten und die Aufwand von Maßschneiderei oder Maßkonfektion“. Wobei Kit Blake sich gar nicht primär an den Sakko- oder Blazerträger wendet. Christopher Modoo war jedenfalls überrascht, wie sich seine Hosen kombinieren lassen: „Als wir begannen, Prototypen zu machen, hatten wir richtig Spaß an den Stylingmöglichkeiten, die wir gesehen haben. Diese Hosen konnte man mit Sneakers oder Strick kombinieren, nicht nur mit Blazern und Brogues.“

 Europäische Fans des englischen Stils und auch so mancher britische Käufer wird sich bestimmt fragen, warum eine Kollektion wie Kit Blake, die vom Stil so englisch ist, nicht in England genäht wird. Christopher Modoo beantwortet diese Frage ganz einfach und ehrlich: „Uns ist kein englischen Hersteller bekannt, der die Hosen nach unseren Wünschen fertigen kann.“ Kit Blake lässt sie in Apulien nähen, „am Absatz des Stiefels“, wie Christopher Modoo es beschreibt. „Die Werkstatt liefert Hosen im klassisch englischen Stil mit englischer Bundabfütterung, Seitenschnallen und anständigen Bundfalten zu einem marktgerechten Preis.“ „Anständige Bundfalten“ sind für Christopher Modoo „forward pleats“, also die für die Savile Row typische nach innen gelegte Bundfalte. „Die Werkstatt kann aber auch zeitgemäße Details hinzufügen wie drawstrings. Wir bringen bald ein neues Sportmodell heraus mit Komfort-Stretch Bund.“

Bekommt Christopher Modoo da nicht Lust, die Kollektion zu verbreitern? „Wir sind im Kern eine Hosenmarke und wir freuen uns darauf, die Auswahl an Schnitten und Stoffen zu erweitern“, erläutert er. Kleine Ergänzungen sind dadurch aber nicht ausgeschlossen. „Wir werden gelegentlich andere Produktlinien hinzufügen, um die Kollektion abzurunden. Im Moment bieten wir eine Krawatte aus unserer „Blake check wool“ an, sie wurde bei Seaward & Stearn in London handgefertigt. Und im Herbst hoffen wir, dass unser Signature-Mantel Naphill dazukommt.“

Hosen muss man anprobieren, sehen, bestasten und spüren. Wir haben uns deshalb das Modell „Aleksandar“ in mittelgrauem Pfeffer-und-Salz-Stoff von Vitale Barberis Canonico zusenden lassen. Sie sitzt hoch in der Taille, hat zwei „forward pleats“ pro Bein, einen mit Seitenschnallen verstellbaren Bund und an dessen Innenseite Knöpfe für Hosenträger. Als ich die Hosenträger angeknöpft habe, fiel mir gleich auf, dass die Knöpfe korrekt positioniert sind und die Knopfpaare einen guten Abstand haben. Bei italienischen Hosen werden die Knöpfe oftmals zu dicht nebeneinander angenäht und die beiden inneren Knöpfe der beiden vorderen Knopfpaare liegen zu dicht beieinander. Die Knöpfe müssen so positioniert sein, dass sie über der Bundfalte sitzem oder, wenn zwei Bundfalten pro Bein vorhanden sind, zwischen den beiden Bundfalten. So werden die Bundfalten durch den Zug der Hosenträger nicht verzerrt und die Hosen fallen perfekt. 



Die Innenverarbeitung wirkt schneidermäßig und erinnert an die meiner Hosen aus der Savile Row. Auch die Hosen, die ich vor 25 Jahren bei Hackett oder Cordings in London von der Stange gekauft haben, sahen von innen so aus. Der Schnitt gefällt mir sehr gut. Ich habe sie in Größe 50 probiert und musst nur die Länge anpassen, am Bund sitzt sie bei mir sehr gut. Sie liegt rundherum glatt an und die Bundfalten klaffen nicht auf. Direkt nach dem Anziehen hält sie gut ohne Hosenträger, sie würde aber nach wenigen Momenten zu rutschen beginnen. Ich trage diese Art von Hosen aber ohnehin nur mit „braces“. Ob sie bei anderen Figuren ohne Hosenträger hält, kann ich nicht sagen. Das hat aber nichts mit der Qualität des Schnitts zu tun, vielmehr mit der Schwerkraft und der männlichen Figur. Auch meine Maßhosen würden ohne Hosenträger rutschen. 

Die Hose wird mit Haken geschlossen sowie mit einem Knopf innen am Übertritt. Diese Variante ist mir am liebsten, so lasse ich meistens auch meine Maßhosen nähen. Haken lassen sich schnell öffnen und schließen und sie tragen nicht auf. Die bei italienischen Schneidern beliebten Knopfkonstruktionen beeindrucken durch ihre Aufwändigkeit, kosten aber sehr viel Zeit beim An- und Ausziehen. Früher habe ich meine Hosen mit Knöpfen am Schlitz machen lassen, inzwischen ist mir ein Reißverschluss, wie bei dem Modell von Kit Blake, lieber. Ebenfalls typisch englisch ist die Fütterung der Hosen, sie reicht bis knapp unter das Knie. Da die Hosen weit geschnitten sind, bleiben sie beim Aufstehen aus dem Sessel nicht an den Kniestrümpfen hängen. Insgesamt ist die Aleksandar eine sehr gute Konfektionshose, die in Hinblick auf Passform, Verarbeitung und Stoff den Vergleich mit Maßhosen nicht scheuen muss. Im Detail lasse ich meine Hosen etwas anders zuschneiden, ich bevorzuge beispielsweise eine sehr altmodische Passform am Gesäß mit viel Bewegungsfreiheit für lange Schritte und das Treppensteigen. Das sind aber Kleinigkeiten, gemessen am Preis und der sofortigen Verfügbarkeit, fallen sie nicht ins Gewicht. 

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