Lamb & Shadow: Boxershorts für Kenner

Interview mit dem Gründer von Lamb & Shadow

Boxershorts gelten als die klassische Unterhose für den Herrn. Allerdings sind sie hierzulande Ausdruck eines „acquired taste“, also eines erworbenen oder erlernten Geschmacks. Wer Boxershorts aus gewebten Baumwollstoffen trägt, will sich in aller Regel von der breiten Masse abheben.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich beim Wehrdienst die ersten Boxershorts zu Gesicht bekam. Kameraden aus der besseren Hamburger Gesellschaft trugen sie, alle anderen hatten Slips aus Jersey oder Feinripp mit Eingriff.

Ich selbst habe mir auch erst als Student Boxershorts angewöhnt. Ich fand sie so schön amerikanisch. Und wenn man in der Umkleidekabine eines guten Herrenausstatters seine Hose probierte, konnte man in Boxershorts und Kniestrümpfen auch in Unterwäsche Stilgefühl beweisen.

Heute trage ich fast immer Boxershorts. Beim Laufen oder Wandern bevorzuge ich allerdings Slips aus Baumwolle oder aus Baumwolle und Kunstfaser. Meine Abneigung gegen „Funktionsfasern“ habe ich inzwischen überwunden, da ich durch den Laufsport die Vorteile von Kunstfasern zu schätzen gelernt habe.

Heute geht es aber um beste Baumwollstoffe aus Italien, denn die verarbeitet Helmut Keul bevorzugt für die Boxershorts seiner Marke Lamb & Shadow. Warum und auf welche Weise, das lesen Sie jetzt in unserem exklusiven Interview mit dem Gründer des Labels.

Boxershorts-Talk mit Helmut Keul

FH: Boxershorts sind sehr wichtig, jedoch selten ein Thema für Journalisten. Woran könnte das liegen?

HK: Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Meines Erachtens haben die meisten Männer überhaupt nicht die Vorstellung, dass sie in Unterwäsche schon gut oder zumindest besser als bisher angezogen sein könnten. Sie haben sich mit dem Anblick im Spiegel abgefunden. Die wenigsten sehen halt aus wie ein Model oder ein Athlet. Auch ich nicht.

FH: Wie sind Sie dazu gekommen, sich der Boxershorts anzunehmen?

HK: Aus schierer Not. Ich habe mit 17 Jahren angefangen, meine eigenen Boxershorts zu nähen, weil mir in der damals gängigen Wäsche aus Jersey oder Feinripp alles fehlte, was ich als nur annähernd attraktiv hätte bezeichnen mögen. Ich war ein eher schmaler und blasser Typ.

Die perfekte Passform

FH: Die Passform von Boxershorts ist schwierig zu visualisieren. Wie würden Sie mit Worten die Passform Ihrer Boxershorts beschreiben?

HK: Der Schnitt orientiert sich im Grunde an klassischen „Flat Front Chinos“. Um die Körperform, insbesondere das Gesäß, angenehm nachzubilden, scheint mir unser Schnitt aus 5 Teilen unerlässlich. Im Übrigen sorgt das zarte Innenfutter auf der Vorderseite für ein besonders geschmeidiges Hautgefühl, auch weil es praktisch alle Nähte abdeckt. Die Beine sind außerdem etwas verlängert, sodass gewährleistet ist, dass immer der Stoff der Unterwäsche zwischen dem Intimbereich und der Oberhose ist.

FH: Ich habe Ihre Boxershorts schon getestet. Dabei habe ich gemerkt, dass man ganz gut mit den Größen spielen kann. Was raten Sie den Kunden bei der Auswahl?

HK: Ich selbst trage unter Jeans Größe S, unter Chinos M und im Sommer, unter Bermudas, gerne auch Größe L. Damit will ich sagen: Unsere Boxershorts lassen sich so tragen, wie die Weite der darüber getragenen Hose es gestattet, vielleicht sogar fordert. Natürlich kann ich eine engere Boxer unter einer Bermuda tragen, aber wozu?

Qualität im Detail

FH: Boxershorts gibt es in allen Preislagen, man sieht sie sogar ab und zu beim Discounter. Was macht die Qualität Ihrer Boxershorts aus?

HK: Du lieber Himmel. Alles. Ohne Übertreibung mindestens ein Dutzend Punkte. Vergleichen Sie es mit einem Maßhemd: Das Hemd bei einem Discounter ist auch ein Hemd, oder?

Ausgenommen das tatsächliche Maßnehmen arbeiten wir tatsächlich wie ein Maßschneider: Jeder Faktor hat Einfluss auf mehrere Merkmale.

Am wichtigsten ist der Schnitt, also die Passform: Bequem ohne aufzutragen, rutscht nicht hoch bei einer engeren Hose, die Boxer wandert nicht in die Gesäßfurche.

Materialqualität, das betrifft auch das Gummi und die Etiketten, beeinflusst Optik, Haptik und Haltbarkeit. Stichdichte der Nähte die Stabilität, Haltbarkeit und Passform.

Dazu kommen noch Stoffe aus gebürsteter Baumwolle, gerne in besonders bequemer Webung als Twill oder Fischgrät. Und eine Besonderheit von Cotonificio Albini: Ein Stoff aus 100% Baumwolle, aber mit einem natürlichen Stretch-Effekt und daher besonders bequem.

Und bei unseren „Vienna Lined Boxers“ kommt natürlich noch das Innenfutter dazu.

Für mich persönlich besonders wichtig: Alles in Europa hergestellt. Naja, außer der Baumwolle natürlich, die kommt aus Ägypten.

Wir machen aber keinen Luxus oder Bling-Bling: Wir wollen die bestmögliche Boxer für den Alltag anbieten. Durchdacht.

Die Vienna Lined Boxers

FH: Sie erwähnten gerade die „Vienna Lined Boxers“. Welche Verbindung haben Sie persönlich zu Wien und dem Wiener Stil?

HK: Ich habe da fast 20 Jahre gelebt. Die ersten kommerziellen Versuche habe ich dort angeboten. Von der Künstlerin Luise Chibulka individuell bedruckt und in einer Galerie in der Langen Gasse zum Kauf angeboten, teilweise als Hybrid mit einem eingenähten Suspensorium. Versuche der Kooperation mit Schiesser gab es auch mal. Eine eigene Geschichte.

Boxershorts unter engen Hosen

FH: Wie gut Boxershorts sitzen, hängt auch von der darüber getragenen Hose ab. Was sagen Sie Männern, die eher enge Hosen bevorzugen?

HK: Ich will niemanden zu irgendwas bekehren. Wie schon angedeutet, trage ich selbst Jeans in einem „Skinny“-Schnitt. Diese sind aber aus in Japan produziertem, schwerem „Selvedge“-Denim, also ohne Elasthan. Meine Beine sind einfach sehr schlank, mein Gesäß eher klein. Nach meiner Erfahrung ist auch hier die Boxer bequemer. Und sie sieht besser aus, wenn man die Jeans auszieht.

Nebenbei: Flexibel tragbar sind Boxershorts auf jeden Fall, sie sind aber z.B. weder „Sporthosen“ per se und auch für schwere körperliche Arbeit nur eingeschränkt geeignet.

FH: Boxershorts und Kniestrümpfe sind Schlüssel-Teile des klassischen Looks. Haben Sie schon einmal überlegt, Kniestrümpfe mit ins Sortiment aufzunehmen?

HK: Ich habe meinen Favoriten für Strümpfe, der sich immer wieder neu bewährt. Ich verfüge weder über die Fertigkeiten noch über die Mittel, da etwas besser zu machen.