Schechinger Hats. Hüte „Handmade“

Es gibt Hüte und Hüte aus Biberfilz. Der Unterschied ist für Kenner ähnlich groß wie der zwischen geklebtem Schuhwerk aus dem Kaufhaus und dem rahmengenähten Gegenstück. Hüte aus Biberfilz sind für Ihre Fans Ausdruck eines Lebensstils und geradezu eine Philosophie. Am Stand von Schechinger Hats auf der letzten New-Heritage-Messe 2019 in Düsseldorf konnte man den Gesprächen und Fachsimpeleien der Hutfans lauschen. Sie tauschen sich ähnlich begeistert über die Feinheiten ihrer Hüte aus, wie Schuhfans über Einstechnaht und Sohlenleder. Wir haben Rainer Schechinger vor ein paar Wochen interviewt und mit ihm über Hüte im Allgemeinen und „beaver hats“ im Besonderen gesprochen.

Feine Herr: Hüte sind wieder im Gespräch, sehr hochwertige Hüte bleiben aber ein Nischenprodukt. Was sind Hüte für Sie persönlich?

Rainer Schechinger: Der Hut ist ein wichtiges Kleidungsstück. Ein Hut mit einer z.B. breiten Krempe schützt den Träger vor dem Wetter, kühlt oder wärmt den Kopf. Neben dieser doch funktionalen Sichtweise kann der Hut auch zeigen, welchen Stil oder welche Persönlichkeit jemand pflegt. Ist die Person selbstbewusst und extrovertiert oder ist sie unsicher? Man signalisiert mit einem Hut ein gewisses Statement, ein Bekenntnis des guten Geschmacks. 

Ich selbst bevorzuge eher den Casual Stil. Anzüge, qualitative hochwertige Hosen, Hemden und oder Jacken gemischt mit ein paar Vintage-Fundstücken. Aus meiner Sicht muss man sich wohlfühlen und die Stilfrage ergibt sich dann von alleine. Ein Hut ist für mich der Ausdruck des eigenen Ichs.

Was ist das Besondere an Schechinger Hats?

Die Qualität der Schechinger Hats steht an erster Stelle. Um einen qualitativ hochwertigen Hut zu machen, verwenden wir ausschließlich 100% Biberfilz. Der Qualitätsansatz zieht sich neben der Auswahl des Biberfilzes, über das Lederinnenband, das Innenfutter, die Hutbänder bis hin zu der handgemachten Aufbewahrungsschachtel. Unsere Hüte werden vollständig per Hand mit traditionellen Hutmacherwerkzeugen gefertigt.

Jedes Exemplar ist ein Einzelstück und ist individuell mit dem Besitzer abgestimmt. Die Herausforderung ist hierbei, die Interessen des Kunden zu wahren und dem zukünftigen Hutträger eigene Ideen und Vorschläge zu unterbreiten. Die Möglichkeiten der Gestaltung sind hierbei sehr vielfältig. Die Hutform, die Kronenhöhe, die Krempenbreite, das Hutband und weitere Details können das Erscheinungsbild des Trägers maßgeblich verändern. Ein Schechinger Hat ist mit einer hohen Krone, einer breiten Hutkrempe und meistens als Fedora gearbeitet.

Was muss man sich genau unter dem Material „Biberhaar“ vorstellen? Wie wird es gewonnen? 

Unsere Biberhaare stammen von Bibern aus Kanada. Die Felle werden von Bibern gewonnen, welche zum Zweck der „Eindämmung der Übervermehrung“ reguliert bzw. kontrolliert gefangen werden. Die Biber können durch ihr fleißiges „Werkeln“ ganze Nutzbäume fällen, an Teichen und Dämmen kann es zu erheblichen Schäden kommen, z. B. wenn durch den Bau von Wohnröhren durch die Biber das Wasser abfließt. Auch haben vermehrt Landwirte mit dem Biber zu kämpfen, wenn sich der Biber unterirdische Höhlen im Boden baut. Der Boden kann hierbei beim Einsatz von Landmaschinen zusammenbrechen oder die Felder können überschwemmt werden. Zusätzlich wird das Fell bzw. das Biberhaar von gezüchteten Tieren in Kanada gewonnen. Hierbei werden die internationalen Bestimmungen & Richtlinien nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen strengstens beachtet und eingehalten. Mit circa 20.000 – 25.000 Härchen pro Quadratzentimeter ist das Biberfell extrem dicht. Das Biberhaar wird in Portugal verfilzt, zu einem Rohling nach unseren Vorgaben verarbeitet sowie eingefärbt. Biberfilz ist sehr weich und bietet damit einen sehr hohen Tragekomfort. Seine geschmeidige, sehr dichte Beschaffenheit fühlt sich gut an und liegt besonders angenehm in der Hand. 

Ihre Kollektion ist stark vom Amerika der 20 bis 40er Jahre inspiriert. Finden Sie auch Inspiration in Europa? 

Es ist richtig unserer Hutmodelle sind sehr geprägt von der „golden Era“ und von der Kultur des Wilden Westen. In Europa wurde in den 20 bis 50er Jahre ebenfalls viel Hut getragen. Der Fedora, worauf unsere Spezialisierung liegt, erhielt in den 20er Jahren vor allem in Europa große Aufmerksamkeit. In dieser Zeit betrachtete man Fedoras als unverzichtbaren Teil des Geschäfts- oder Gesellschaftsanzugs. Die meisten Männer gingen nicht ohne Hut aus dem Haus. 

Unsere Inspiration holen wir uns aus Filmen, Büchern, bei Reisen und kennt hierbei keine Grenzen. Jedoch suchen wir aus persönlicher Leidenschaft meistens unsere Inspiration in den USA. In Amerika besitzt die Hutkultur heutzutage immer noch einen sehr hohen Stellenwert. Wir pflegen einen sehr intensiven Kontakt mit dortigen „Hatmakers“. Neben dem Austausch von Know-how finden wir dort z.B. eine Vielzahl von unseren Vintage-Hutbändern, Werkzeugen und Formideen. 

Im Heritage-Bereich haben Beaver-Hats Kultcharakter, was bieten Sie stilistisch den Fans des Gentleman-Looks?

Ein Fedora passt hervorragend zu einem Gentleman-Look. Ein Hut sollte zum Outfit und zum Charakter passen. Kein Kleidungsstück verändert das Erscheinungsbild eines Menschen so wie ein Hut. Eine wichtige Rolle spielt neben der Hutform, Kronenhöhe und der Krempenbreite die Trageweise eines Hutes. Wer es ein wenig lässig mag, klappt die Krempe vorne nach oben oder trägt den Hut auf dem Hinterkopf. Hier sind keine Grenzen gesetzt und wir stellen uns der Herausforderung dem Gentleman den passenden Hut anzufertigen.

Das Titelbild ist von Nick Clements.

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