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Campe & Ohff —
Maßhemden mit diskretem Charme

Drei junge Männer lernen sich 1988 bei der Bundeswehr kennen, werden Freunde und wollen gemeinsam ein Unternehmen gründen. Friedrich von Schönfels, Christian Ohff und Christian von Campe heißen die drei. 1995 steht ihr Plan: Sie möchten eine Maßhemdenmanufaktur eröffnen. Wer diese Zeit erlebt hat, kann sich vielleicht in die drei Gründer hineinversetzen. Klassische Herrenkleidung wurde gerade von einer neuen Generation entdeckt, viele junge Männer begeisterten sich für rahmengenähte Schuhe aus England und handgemachte Anzüge aus Italien. Man studierte das „Sloane Ranger Handbook“ und kultivierte englischen Stil in Hamburg, Frankfurt und München. Ich selbst bin ein Kind genau dieser Zeit.

1996 werden die Pläne konkret, die drei Freunde reisen durch Europa und besuchen Stofflieferanten und Herstellungsbetriebe. Es kommt zu einem Autounfall, bei dem Christian Ohff sein Leben verliert. Ein schrecklicher Schlag für die Familie, die Freunde, das ganze Umfeld. Doch die Idee soll weiterleben und in ihr Christian Ohff. Sein jüngerer Bruder Hans-Henrik Ohff steigt an seiner Stelle in das Unternehmen ein. Im August 1996 wird die Campe & Ohff GmbH mit Sitz in Puttgarden auf Fehmarn gegründet, im November verschicken Hans-Henrik Ohff und Christian von Campe ihren ersten Mail-Order-Katalog. Die Hemden werden bei einem kleinen Fertigungsbetrieb in der Pfalz genäht, ab 1997 in Polen. Im selben Jahr wird ein Verkaufspunkt in Hamburg-Bahrenfeld eröffnet, 1998 übernimmt Campe & Ohff einen bereits seit 25 Jahren arbeitenden, modernen Fertigungsbetrieb in Lauterbach, Hessen. Bis heute werden dort die Hemden und Blusen genäht, die in beiden Läden in Hamburg und Berlin, per Katalog und bei diversen Events und Trunkshows in Deutschland und auch Österreich vertrieben werden. In Wien ist Campe & Ohff z. B. fast kontinuierlich seit 15 Jahren regelmäßig bei Jungmann & Neffe zu Gast.

Der Name Campe & Ohff ist mir seit etwa 15 Jahren geläufig, komischerweise habe ich die Hemden trotzdem noch nie probiert. Dabei ist das Angebot interessant und nicht austauschbar: In Deutschland genähte Maßhemden aus italienischen und Schweizer Stoffen zu zivilen Preisen. Der Einstiegspreis liegt bei 85 Euro, im Schnitt geben die Kunden 100 Euro aus. Das allein macht neugierig und bei meinem Besuch im Hamburger Laden der Manufaktur habe ich nun auch endlich ein Hemd geordert. Das Geschäft liegt im Souterrain im Hamburger Stadtteil Harvestehude, also nicht in erster Innenstadtlage aber in einem der besten Viertel der Stadt. Das kleine Geschäft besteht aus zwei Räumen, dem Verkaufsraum und einem Büro. An den Wänden Regale mit einigen Musterhemden, Stoffmustern und Kragenmodellen. Außerdem ein paar Krawatten und Muster des Maßschuhmachers Maftei aus Wien, mit dem die Hemdenmacher seit vielen Jahren zusammenarbeiten (die Anprobe der Maßschuhe, die er für mich macht, hat dort stattgefunden). 

Hans-Henrik Ohff hat uns die Treppe in das Souterrain herunterkommen sehen und kommt zur Tür, um uns zu begrüßen. Er trägt ein leichtes Wollsakko und ein offenes Hemd, dazu Chinos und Maßschuhe von Maftei. Aus dem Hemd sieht man den Rand eines weißen T-Shirts hervorblitzen. Der Mitinhaber der Hemdenmanufaktur sieht aus, wie man sich seine Kunden vorstellen könnte, wie ein Anwalt, Arzt oder Kaufmann. Er spricht leise und schmunzelt häufig mit den Augen. Nur ganz nebenbei fasst er sein Gegenüber ins Auge und tastet die Figur mit den Augen des Hemdenschneiders ab. Während er mich vermisst erzählt er mir die von der Manufaktur und ihrer Geschichte. Beim Maßnehmen geht Hans-Henrik Ohff wie alle Hemdenmacher vor. Er nimmt die üblichen Maße inklusive des Oberarmumfangs und notiert sie auf einem Bestellformular. Ein Probierhemd lässt er den Kunden nicht überziehen. Nur bei fortgesetzten Passformproblemen bittet er den Kunden, zur Kontrolle eines Hemds des Hauses anzuziehen. Als Stoff wähle ich einen großkarierten „Twill Soprano“ von Alumo aus, einer meiner liebsten Qualitäten des Schweizer Webers. Als Kragen nehme ich ein zurückgeschnittenes Modell mit mittelstarker Einlage, die Knöpfe sind aus flachem Perlmutt. Die Lieferzeit beträgt etwa vier Wochen. 

Campe & Ohff schickt den Kunden nach wie vor nicht nur Newsletter per E-Mail sondern auch Stoffproben mit der Post. Laut Hans-Henrik Ohff schätzen die Kunden es, wenn sie die Stoffe auch anfassen können. Bestellen können sie dann telefonisch oder online. Wie zum Beweis seiner Aussage kommt ein Kunde ins Geschäft und fragt nach einem Oxford-Stoff, den er in einem Mailing gesehen hat. Die gewünschte Qualität ist vorrätig und so ordert er gleich drei Hemden. Seine Maße lässt er noch einmal überprüfen, den Vorschlag, zuerst nur ein Hemd zu fertigen, lehnt er aber ab. „Das soll schon passen“ meint er augenzwinkernd und Hans-Henrik Ohff widerspricht nicht. 

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