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Drei Anzüge für den Frühsommer

Niemand kauft sich jeden Sommer eine komplett neue Anzuggarderobe. In aller Regel werden auch die Anzüge für die warme Jahreszeit viele Jahre lang getragen. Dennoch halten sich die Anzüge aus schwereren Stoffen meistens länger. Wollstoffe sind erstens widerstandsfähiger, zweitens nutzen sich Sommeranzüge durch das Schwitzen, häufigeres Reinigen und Nachbügeln stärker ab. 

Der Frühsommer 2020 ist natürlich durch die Pandemie geprägt. Einige Teile, die schon fertig sein sollten, wurden noch nicht einmal zugeschnitten oder hängen als Anprobe beim Schneider. Andere wurden einfach nie gekauft, weil der Bedarf gefehlt hat. Nachdem sich das Leben wieder normalisiert hat, habe ich in den letzten Wochen überwiegend drei Anzüge eingesetzt. Zwei davon sind Neuerwerbungen, einen besitze ich seit vier Jahren

Kurz vor Schließung der Läden hatte ich bei Anton Meyer in Hamburg einen grauen Einreiher mit Spitzrevers gekauft. Der Stoff ist ein Kammgarngewebe aus Wollgarn von Vitale Barberis Canonico. Die Hosen haben einen hohen Bund aber keine Bundfalten. Der Schnitt ist eine Mischung aus dem Stil der dreißiger Jahre und dem der späten 1960er. Was mir beim Anprobieren im Laden besonders gut gefallen hat: Die Hosen halten ohne Hosenträger. Im Moment bevorzuge ich Hosen mit Gürtel. Im Sommer habe ich aber nie sehr gern Hosenträger verwendet, weil sie bei Hitze sehr warm sind. Außerdem zeichnen sie sich unter dem Stoff einer leichten Sommeranzugsjacke deutlich am Rücken und den Schultern ab.

Den grauen Anzug habe ich für das Foto mit einem Leinenhemd nach Maß von Gino Venturini aus Wien kombiniert, einer älteren dunkelblauen Seidenstrickkrawatte von Ascot in Krefeld, sehr feinen, schwarzblauen Kniestrümpfen aus Baumwolle von Bresciani sowie ungefütterten Schlupfschuhen aus der Redtongue-Kollektion von Ed.Meier München. Diese Schuhe habe eine dünne Ledersohle und keine Fersenkappe, dadurch sind sie sehr bequem. Auf das Einstecktuch habe ich bewusst verzichtet, da ich im Moment einen schlichteren Stil bevorzuge.

Der zweite Anzug stammt von Gabo Napoli. Er ist ebenfalls von der Stange. Ich habe ihn 2016 bekommen. An der Jacke habe ich nichts ändern lassen, die Hosen wurden lediglich in der Länge angepasst. Sie sind niedriger geschnitten, haben Gürtelschlaufen sowie kleine Bundfalten. Sie halten auch ohne Gürtel sehr gut, was dem Schnitt geschuldet ist. Schmale Hosen in diesem Stil kriegen nach wie vor die Süditaliener am besten hin. Der Stoff ist eine Mischung aus Leinen, Wolle und Seide, er ist sehr angenehm bei Temperaturen von 20 Grad aufwärts. Die Jacke ist ungefüttert verarbeitet und sie trägt sich sehr leicht. Ich habe ihn mit einem Polohemd von Eduard Dressler kombiniert (Baumwolle mit 4 Prozent Elasthan). Das Polohemd hat einen etwas größeren, weich fallenden Kragen im Stil der smarteren „Friday Poloshirts“. Die Schuhe sind wieder die Loafer von Ed.Meier München. Sie sind meine leichtesten Schlupfschuhe und meine Favoriten im Sommer.

Der dritte Anzug ist ein Spontankauf im Onlineshop von Mey & Edlich. Diese Marke kenne ich seit gut 30 Jahren, als Student bin ich in Hannover in der örtlichen Filiale im Sale auf Schnäppchenjagd gegangen, ich erinnere mich z. B. an den Kauf einer weinroten Steppweste von Lavenham. Mey & Edlich hat sich in den letzten Jahren modernisiert und spricht mit seinem Webauftritt eine modischere Zielgruppe an. Die Namen und Beschreibungen der Produkte sind durchaus witzig. Der Anzug, den ich trage, heißt z. B. „Papierflieger“. Ich hatte ihn bei Recherchen für einen Artikel über Sommeranzüge entdeckt und spontan bestellt. Ich hatte keine sehr hohen Erwartungen an die Passform, mich hatte vor allem neugierig gemacht, dass der Anzug sehr leicht und vor allem in der Maschine waschbar ist (er besteht zu 72 % aus Baumwolle, 24 % Polyester und 4 % Elasthan). Als ich ihn auspackte, gefiel mir das verwaschene Rauchblau viel besser, als auf dem Bild im Onlineshop. Die Größe 46 passte auf Anhieb sehr gut, die runden, natürlichen Schultern gefallen mir. Die Passform ist insgesamt sehr gut angesichts des Preises und der industriellen Verarbeitung. Die sehr modisch geschnittenen Hosen sitzen ohne Gürtel. Ich wüsste im Moment nicht, welcher meiner Gürtel zu dem Stoff passen würde. Die Jacke ist natürlich total unstrukturiert, da sie sonst nicht waschbar wäre. 

An dem Tag, als in Berlin die Fotos gemacht wurden, habe ich den Anzug von Mey & Edlich in zwei Varianten getragen. Zuerst mit dem Leinenhemd von Gino Venturini und dem Sneaker „Intervall“ von Brütting Diamond Brand (ohne Strümpfe). Danach mit dem gleichen Hemd und blauer Seidenstrickkrawatte von Auerbach Berlin. Sie weist eine für diese Art von Bindern ungewöhnliche Diagonalstruktur auf. Wenn es weniger heiß gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich mittelblaue Kniestrümpfe aus Baumwolle oder Leinen angezogen, um den Look zu komplettieren. Die dunkle Strickkrawatte gefällt mir sehr gut zu dem Anzug. Sie bildet einen Ruhepol, farblich und im Hinblick auf die eher unruhige Oberflächen des Leinenhemds und des Baumwollstoffs des Anzugs. 

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