Krawatten. Die wichtigsten Grundtypen

Muss man Krawatten kategorisieren? Sicherlich nicht. Man kann sich ganz unsystematisch an ihnen erfreuen. Dennoch spricht einiges dafür, Krawatten grob in Gruppen zu unterteilen. Erstens, um den Überblick zu erleichtern. Zweitens, um zu zeigen, welche Arten von Krawatten es gibt. Drittens: Um Gespräche über Krawatten zu erleichtern.

Krawatten werden aus verschiedenen Stoffen gewebt. Meistens aus Seidengeweben, außerdem aus Woll-, Kaschmir-, Vikunja-, Baumwoll- oder Leinenstoffen sowie aus Mischungen dieser Faserarten. Neben Krawatten aus Geweben gibt es auch gewirkte Binder, also gestrickte und gehäkelte Krawatten. Letztere sind allerdings selten. Und die Lederkrawatte. Die sparen wir hier aber aus.

Die Einteilung der Krawatten, die wir hier vorschlagen, ist nicht durchweg logisch, die Kriterien werden gemischt. Ansonsten müsste man von Obergruppen zu Untergruppen kommen, was sich in diesem Format nicht gut illustrieren lässt und auch schnell ausufern würde. Deswegen haben wir die Krawatten mal nach Material, mal nach dem Aussehen eingeteilt. Denn so begegnen uns die Krawatten auch als Käufer.

Die Abbildungen zeigen Krawatten aus meiner Garderobe. Sie wurden zum großen Teil schon vor längerer Zeit gekauft. Wir nennen die Marke der abgebildeten Krawatten der Vollständigkeit halber. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die betreffende Krawatte bei den Herstellern noch zu bekommen ist. Das ist für das Ziel dieses Beitrags, dem Leser einen Überblick zu geben, nicht relevant.

Echte Regimentskrawatte

Echte Regimentskrawatte

Streifenmuster englischer Krawatten zeigen oftmals die Farben von Regimentern, Clubs, Schulen, Universitäten oder Vereinigungen anderer Art. Im Bild eine Krawatte mit Streifen des Black-Watch-Regiments (farbgleich u. a. mit Royal Engineers) aus der Kollektion von John Comfort in London.

Phantasiestreifen

Phantasiestreifen

Da man sich mit bestimmten Streifen mit fremden Federn schmücken würde, sind „Phantasiestreifen“ eine gute Alternative. Hier ein klassisches Beispiel von Brooks Brothers aus den frühen 1990ern. Typisch amerikanisch ist auch die Richtung des Streifenverlaufs von rechts oben nach links unten.

Paisley gedruckt

Paisley gedruckt

Paisleykrawatten gelten in Deutschland als typisch englisch, ursprünglich stammt das Dessin aber aus dem Orient. In der britischen Tradition werden Paisleykrawatten eher seltener zum Businessanzug getragen, da sie ein künstlerisch-exzentrisches Image haben. Krawatte: Edsor Kronen.

Paisley Jacquard

Paisley Jacquard


Das Paisleymuster wird meistens auf einfarbige Seide gedruckt, seltener sind Jacquardkrawatten mit diesem Dessin. Jacquard heißt, dass das Muster gewebt wurde. Das Foto zeigt eine Krawatte von Fumagalli in Italien, sie stammt aus der Kollektion 2020.

Baumwolle bedruckt

Baumwolle bedruckt

Die Krawatte aus Seide hat immer noch einen besonderen Nimbus in Deutschland, obwohl sie heutzutage gar nicht besonders teuer sein muss. Seltener findet man dagegen Krawatten aus Baumwolle, sie sind eine schöne Idee für den Sommer. Hier ein Modell von Ascot aus Krefeld.

Allover gedruckt

Kleine Allover-Muster sind das Markenzeichen des neapolitanischen Krawattenmachers E. Marinella, ein Großteil seiner Kollektion besteht aus Bindern in diesem Stil. Diese Krawatte stammt von Drake’s in London, gefertigt um 1999. Damals hat Drake’s in seiner Londoner Manufaktur auch für E. Marinella gefertigt.

Motive Allover (Hermès)

Motive Allover (Hermès)

Die Hermès-Krawatte ist nicht jedermanns Sache, dennoch ist man mit ihr stilistisch auf der sicheren Seite. Insbesondere mit den stilisierten Allover-Motiven, die dem Zaumzeug der Pferde oder der Seefahrt entlehnt sind, wie der berühmten „Ankerkette“. Hermès-Krawatten werden limitiert hergestellt, was sie begehrt macht.

Phantasie Allover

Phantasie Allover

Krawatten mit Allover-Mustern komme nicht immer so dezent daher, wie die typischen Hermès-Krawatten. Textildesigner liefern immer wieder sehr spannende und phantasievolle Varianten an, hier eine Krawatte aus den späten 1980ern von Yves Saint Laurent.

Polkadot gewebt

Polkadot gewebt

Die Krawatte mit „polkadots“, also mit Punktmuster, war bis in die 1980er Jahre die englische Businesskrawatte schlechthin. Am klassischsten ist sie in Dunkelblau mit weißen Punkten (mit dunkelblau auf weiße Seide gedruckt, die Punkte sind der Fond). Hier eine Variante aus schwerer Jacquardseide von Ign. Joseph.

Tartan (Seide)

Tartan (Seide)

Tartankrawatten bilden eine große Gruppe, denn die Zahl der Muster, die den verschiedenen Clans zugeordnet werden, ist sehr groß. Tartankrawatten werden aus gewebter Wolle oder Seide genäht. Tartankrawatten aus Wolle sehen ländlicher aus, die Variante aus Seide passt zum Blazer.

Leinen/ Seide Glencheck

Leinen/ Seide Glencheck

Karierte Krawatten sind relativ selten, am häufigsten sieht man Glencheck-Krawatten. Sehr häufig werden sie aus Jacquardseide genäht. Glencheck ist beliebt für sommerliche Krawatten aus Leinen oder Leinen- Seidengemischen. Ein Klassiker für das Land ist die Glencheckkrawatte aus Wolle, hier von Ralph Lauren aus den frühen 1990ern.

Seide Motive gewebt

Seide Motive gewebt

Motivkrawatten haben kein besonders gutes Image, da sie oft mit allzu witzigen Abbildungen assoziiert werden, z. B. Comicfiguren. Wer ein sicheres Urteilsvermögen hat, wird in der großen Auswahl von Motivkrawatten ohne Mühe die geschmackvollen Binder finden. Hier eine Krawatte von Prochownick.

Wolle Uni

Wolle Uni

Einfarbige oder melierte Wollkrawatten werden in der englischen Tradition zum Jagdanzug getragen oder im akademischen Umfeld. In Italien werden sie hingegen auch zum Stadtanzug aus Flanell kombiniert. Hier eine Wollkrawatte, die ich 1998 im Laden des Maßschneiders John Kent gekauft habe.

Wolle bedruckt

Wolle bedruckt

Genauso wie Seide, wird auch Wolle bedruckt. Die Bandbreite an verfügbaren Mustern und Motiven ist geringer als bei Seidenstoffen, da wesentlich weniger Wollkrawatten verkauft werden. Hier ein typisches Jagdmotiv, gefertigt in England von John Comfort für Ladage & Oelke. Die Krawatte habe ich um 1990 gekauft.

Bedruckte Wolle

Bedruckte Wolle

Bedruckte Wollkrawatten gibt es auch mit urbaneren Dessins. Sie passen dann zum sportlichen Anzug, z. B. aus Glencheck, oder zur Sakko-Hose-Kombination. Die matte Oberfläche der Wollkrawatte passt gut zu Schuhen aus Rauleder. Im Bild eine Wollkrawatte von Cantini in Italien.

Seidengrenadine

Seidengrenadine

Krawatten aus Seidengrenadine erinnern an Strickbinder, sie wirken durch die übliche Krawattenform aber weniger unkonventionell. Grenadine-Krawatten werden in Italien oft ungefüttert verarbeitet, sie sind dann ideal für den Sommer. Hier eine Grenadine-Krawatte von Thomas Pink, gefertigt um 2000 bei Charles Hill in London.

Seidensatin

Seidensatin

Krawatten aus Seidensatin sind relativ selten, häufiger ist Satin als Streifen im Kombination mit anderen Webarten zu sehen. Satinkrawatten passen gut als Kontrast zu Anzugstoffen mit feiner Struktur, z. B. Fresko. Hier eine handgenähte Satinkrawatte mit kleinem Muster aus der Kollektion von Tobias Tailors.

Seidenstrick

Seidenstrick

Die flachgestrickte Seidenkrawatte ist an der rückwärtigen Naht erkennbar (im Gegensatz zur nahtlosen Rundstrickkrawatte). Strickkrawatten gelten in Deutschland immer noch als leicht exzentrisch, dabei sind sie Klassiker des zeitlosen Stils. Sie passen perfekt zu gemusterten Hemden. Hier ein Modell von Ascot in Krefeld.

Wollstrick mit Alpaka

Wollstrick mit Alpaka

Wollstrickkrawatten sind in England Teil der ländlichen Garderobe. In Frankreich und Italien sind sie Teil des urbanen Wochenendlooks, die dunkelblaue Wollkrawatte wird dort im Winter außerdem zum grauen Flanellanzug getragen. Auf dem Foto sehen Sie eine Strickkrawatte aus Wolle mit Alpaka von Ascot in Krefeld.

Seidenstrick gestreift

Seidenstrick gestreift

Typisch für den Ivy-League-Stil sind sportliche Seidenstrickkrawatten mit Querstreifen. Sie passen gut zu smarter Sportswear mit Tweed- oder Kordsakko, Chinos und Pennyloafers oder Sattelschuhen. Hier eine Strickkrawatte von Polo Ralph Lauren von Ende der 1990er Jahre.

Wolle gehäkelt

Wolle gehäkelt

Eine der ungewöhnlichsten Krawatten in meiner Sammlung ist die gehäkelte Krawatte aus der Kollektion von Luciano Barbera. Ich habe sie Anfang der 2000er Jahre vom deutschen Vertreter der Marke bezogen, ich bezweifle, dass sie ein Erfolg im Handel war. Sie passt gut zum Leinenanzug, ist allerdings schwierig zu binden.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.