Review Tebajacke

Die Tebajacke ist auf dem Weg, sich von einer rein spanischen Spezialität zu einem internationalen Klassiker zu entwickeln. So wie einst das englische Tweedsakko, der amerikanische Pennyloafer oder der deutsch-österreichische Hubertusmantel.

Meine ersten Begegnungen mit der Tebajacke hatte ich 1987 in Barcelona. Ich kann sie deshalb so genau datieren, weil ich damals das erste Mal nach meiner Kinderzeit wieder in Spanien war. In Barcelona fielen mir gut gekleidete Herren in einer Jacke auf, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Sie trugen dazu hellblaue Hemden aus Oxfordstoff, Chinos oder graue Tuchhosen, Beefrollloafer und sie rauchten kurze Zigarren. 

Im Dezember 1996 machte ich eine längere Spanienrundfahrt und suchte dabei bewusst nach dieser geheimnisvollen Jacke. Im Schaufenster eines kleinen Herrenausstatters in Cádiz entdeckte ich sie wieder. Es gab sie dort in Dunkelblau und blassen Tannengrün, der Stoff sah nach einem schweren Wolljersey aus. Da das Geschäft geschlossen war, konnte ich nicht weiter nachforschen. Zu Hause fand ich nach weiteren Recherchen den Namen dieser Jacke.

In den frühen 2000er Jahren sah ich die Tebajacke immer wieder. In spanischen Klatschmagazinen – der damalige König Juan Carlos trug sie gern in Grün bei der Jagd. Und bei der Pitti Uomo. Man erkannte spanischen Besucher an der Tebajacke, denn nur Spanier trugen damals diese Jacken. Ich machte allerdings keinen Versuch, eine solche Jacke zu erstehen. Vor zwei Jahren lernte ich Justo Gimeno bei der Pitti kennen, einen eleganten, schnurrbärtigen Gentleman, der die Tebajacke in seinem Konfektionsbetrieb in Saragossa fertigt. 

Bei unserem kurzen Gespräch kam die Idee auf, dass er eine Jacke für mich fertigt. Die Bestellung zog sich sehr lange hin, da wir nur per Direktnachrichten bei Instagram kommunizierten. In der Zwischenzeit kaufte ich bei Sastreria Langa in Madrid eine Sommer-Tebajacke in einem ungewöhnlichen Beerenton. Der Stoff, ein luftiges Panamagewebe, stammt von Vitale Barberis Canonico. Etwa ein Jahr später stellten mir Fabian Zug und Maximilian Segl ihre Leinen-Tebajacken vor und sie fertigten für mich eine grüne Tebajacke aus Wolljersey für Herbst und Winter. Danach wurde meine erste Tebajacke von Justo Gimeno geliefert. Ebenfalls die Wintervariante aus weichem Wolljersey, allerdings in Dunkelblau. Der Stoff stammt wiederum von Vitale Barberis Canonico, es ist die gleiche luftige Ware, den ich schon in Madrid gekauft hatte. 

Für diesen Sommer bestellte ich mir dann noch eine dunkelblaue Sommer-Tebajacke von Justo Gimeno. Sie ist vom Schnitt und der Verarbeitung her identisch mit meiner leichten Teba-Jacke aus Madrid. Sie ist vollkommen unstrukturiert gearbeitet, ungefüttert und weit geschnitten. Sie hat keine Schlitze, der Ärmelabschluss weist einen Knopf auf. Mit dem Schnitt einer Sportjacke hat diese Tebajacke nichts gemein. Mit ihren vier Knöpfen erinnert sie eher an den Schnitt des Sakkos des späten 19. Jahrhunderts. Das Wort Sakko kommt von italienisch „sacco“, also Sack. So kam den Zeitgenossen die abgerundete Silhouette dieses Jackentyps vor im Vergleich zum Frack mit seinen betonten Schultern und der betonten Taille. 

Die sommerliche Tebajacke trägt sich sehr leicht, sie bietet viel Bewegungsfreiheit und vor allem die Version aus dem leichten Wollstoff ist sehr luftig. Die Ärmel darf man einmal umschlagen, was an heißen Tagen noch etwas Luft an die Handgelenke lässt. Ich kombiniere diese Jacke am liebsten mit grauen Hosen aus leichtem Wolltuch oder aber aus heller Baumwolle. Wenn ich eine Krawatte trage, am liebsten aus dunkelblauem Seidenstrich, wähle ich ein Hemd mit Cutaway-Kragen. Wenn ich die Jacke leger kombiniere, trage ich gern ein Buttondownhemd aus Oxfordstoff. Als Schuh wähle ich gern den in Spanien so beliebten Penny- oder Beefrollloafer oder rahmengenähte Tasselloafer in Dunkelbraun. In förmlichen Situationen sollte man die Jacke mit Bedacht einsetzen, da sie in Deutschland oft nicht verstanden wird. Das einzige, was mich an dem Modell von Justo Gimeno stört, ist die fehlende Innentasche links. Es gibt nur eine schmale Innentasche rechts. Wahrscheinlich werde ich links eine Tasche von meiner Änderungsschneiderin hinzufügen lassen. Die Brusttasche der Tebajacke sollte unbedingt mit einem Einstecktuch garniert werden, vor allem, wenn man sie ohne Krawatte trägt. Man bekommt sie in Deutschland z. B. bei Michael Jondral in Hannover. 

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