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Das blaue Baumwollsakko

Vermutlich habe ich das Schuhhaus EdMeier München in München 1992 das erste Mal betreten. Es lag damals noch in der Residenzstraße 33, direkt gegenüber der Oper und nur ein paar Schritte von Max Dietl entfernt. Ich hatte gelesen, dass ein Maßschuhmacher eine Vorführung machte und nutzte eine Aufenthalt mit meinen Eltern für einen Besuch in Deutschlands ältestem Schuhhaus. Ich trug braune Chetwynds von Church’s, die ich in Hannover erstanden hatte, meine Barbour-Moorland-Jacke von Smith Traditional in Hamburg, ein Harris-Tweed-Sakko von Ladage & Oelke, fühlte mich also gerüstet für das ehrwürdige Geschäft. An den Besuch selbst kann ich mich kaum erinnern.

Zwei oder drei Jahre später war ich wieder bei EdMeier München, damals kaufte ich im Sale einen dunkelgrauen Covertcoat, der so eng geschnitten war, dass man über jeden zusätzlichen Schein in der Brieftasche nachdenken musste. Irgendwann fand ich in einem Second-Hand-Laden eine Madder-Krawatte von EdMeier München, die ich jahrelang aufbewahrt habe, die aufgrund ihrer übermäßigen Länge aber nie getragen wurde. Den Albert-Knoten kannte ich damals noch nicht. 2001 habe ich das erste Mal die Schuhe von EdMeier München probiert und bin seitdem ein begeisterter Träger der Peduform-Leisten. Die Konfektion des Hauses habe ich ebenfalls in diesem Jahr kennengelernt und es haben sich einige Teile bei mir angesammelt. Hosen, Lodenjoppen, Mäntel, Tweedsakkos, Strümpfe, Krawatten. In diesem Jahr kam dann das heute vorgestellte Lieblingsstück dazu, das blaue Baumwollsakko mit Bewegungsfalten hinter den Ärmeln, zuknöpfbarem Kragen und Mittelschlitz.

Eigentlich gibt es in der klassischen Herrenmode keine Innovation. Aber gute Ideen. Wie das Sakko mit Bewegungsfalten und zuknöpfbarem Kragen von EdMeier München. Portrait von Jan Hemmerich.

Ich war im Frühsommer in München und suchte nach einer leichten Jacke. Die Sonne schien stärker als bei mir daheim im Norden und so griff ich gern nach dem blauen Sakko aus recht schwerem Baumwollstoff. Als ich es herausnahm und herumdrehte, zögerte ich zunächst. Ich mag den Mittelschlitz nicht. Ich probierte es aber dennoch, da mich das etwas hellere Blau ansprach. Die Bequemlichkeit gefiel mir sofort, die Passform war exzellent, wie ich dann in dem dreiteiligen Spiegel sehen konnte. Es gibt Teile von der Stange, die ein Schneider einfach nicht besser hinbekommen könnte. Diese Jacke ist so ein Teil. Alles ist optimal. Die Länge, die Balance, die Bequemlichkeit, der Look. Die Details sind typische Eduard Meier. Geräumige und sehr tiefe Taschen, innen mit Reißverschluss. Kräftiger Stoff und gute Knöpfe. Und unheimlich viel Bewegungsfreiheit durch die Bewegungsfalten. Außerdem kann man die Jacke bis oben zuknöpfen, was an etwas kühleren Tagen, bei Wind und auf Reisen sehr nützlich ist.

Ich kombinierte die Jacke nach dem Kauf zuerst mit einer mittelgrauen Tuchhose aus leichtem Wollfresko, die ich bei Cove & Co. nach Maß habe machen lassen und für diese Reise mitgenommen hatte. Das blaue Baumwollsakko wirkte durch diese Hosen etwas förmlicher aber immer noch entspannt. Später trug ich es meistens mit hellen Baumwollhosen oder Beinkleidern aus leichtem Kord. Stilistisch erinnert das Teil ein wenig an die spanische Teba-Jacke oder auch entfernt an die Forestière von Arnys, Einige Freunde wollten auch Anklänge an sommerliche Trachtenjacken erkennen und Amerikaner sahen durch die weichen Schultern Anklänge an den Preppy-Style. Die Ärmelabschlüsse weisen je einen Knopf auf, man kann die Ärmel dadurch wie ein Hemd hochschlagen. Diesen Jackenschnitt gibt es übrigens je nach Jahreszeit auch in Jägerleinen, Tweed und in einem weichen und leichten Gemisch aus Schurwolle und Kaschmir.

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