Maßkonfektion „made by hand“ von Massura [Werbung]

Massura ist eine in München ansässige Maßschneiderei, die in Neapel fertigt. Massura bietet Bespoke, Maßkonfektion und die im Webshop erhältliche Konfektion.

Der Anzug aus Solaro-Stoff ist ein italienischer Frühjahrsklassiker. Puristen bevorzugen beim Tuch das englische Original von W. Bill. Das ist allerdings mit etwa 450 g so schwer, dass es sich nach heutigen Begriffen eher für Herbst oder Winter eignet. Deshalb besitze ich auch nur einen Solaro-Anzug aus dieser englischen Ware. Die beiden anderen, die ich in den vergangenen 20 Jahren gekauft habe, wurden aus leichten Solaro-Stoffen gefertigt. Einer von den beiden Stoff aus Solaro Loro Piana. Als ich bei der Massura-Trunkshow in München im vergangenen Herbst die Idee hatte, einen Solaro-Anzug zu bestellen, wollte ich deshalb wieder einen Stoff aus dieser Weberei auswählen. Massura schlug mir zwei Qualitäten vor, ich entschied mich für die nicht ganz so leichte Variante. Mit 270 g ist sie perfekt für den Sommer geeignet, allerdings immer noch hinlänglich strapazierfähig.

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Von Massura hatte ich mir schon vor einiger Zeit eine Bespoke-Hose machen lassen. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden. Für den Solaro-Anzug wollte ich es mit der Maßkonfektion des Hauses probieren. Sie wird ebenfalls „in house“ in Neapel gefertigt mit einem hohen Anteil von Handarbeit. Beim „bespoke“ von Massura ist dieser Anteil noch etwas höher, außerdem wird das Kleidungsstück zweimal anprobiert. Dies erhöht den Aufwand und damit auch den Preis. Bei Maßkonfektionsanzügen betreibt Massura allerdings auch einen höheren Aufwand, als die meisten anderen Anbieter. Eine Rohprobe ist nämlich in fast jedem Fall bei Erstbestellungen üblich. Und Massura besteht in aller Regel auch darauf, fertige Teile persönlich auszuliefern, da dies die Kundenzufriedenheit erheblich erhöht.

Wir trafen uns in einem Berliner Hotel zum Maßnehmen. Dazu wurde ich zunächst wie beim Schneider mit dem Maßband vermessen, anschließend habe ich ein Leinensakko in meiner Größe übergezogen. Daran hat Moritz Kossytorz die nötigen Änderungen abgesteckt. Für die Hose wurden nur meine Maße genommen, ein Musterteil habe ich nicht angezogen. Beim Modell entschied ich mich für einen Zweireiher, bei dem ich zwei Knopfreihen schließen kann oder nur die beiden unteren. Die zweite Variante ergibt das so genannte Kent-Modell, den vom Duke of Kent, einem der Brüder des späteren Duke of Windsor, bevorzugten Schnitts. Die Jacke sollte zwei Seitenschlitze bekommen, sie wird mit Halbfutter gearbeitet und mit vier Knöpfen am den Ärmelschlitzen. Die Hose mit Bundfalten, Seitenschnallen und Knöpfen für Hosenträger.

Die Rohprobe des Anzugs fand in München statt. Wer noch nie eine Anprobe beim Schneider erlebt hat, könnte diese Probe für eine erste Anprobe im Sinne von „bespoke“ halten. Doch auch erfahreneren Kunden könnte ein weniger seriöser Anbieter die Maßkonfektion relativ problemlos als „bespoke“ verkaufen. Bei dieser Probe wurde der Kragen korrigiert, Stoff am Rücken abgesteckt und die Taillenweite optimiert. Bei der Hose wurde nur die Bundweite etwas angepasst. Der Fall der Hose war sehr gut, die Bügelfalten verliefen senkrecht genau über die Mitte der Kniescheiben. Außerdem wurden die Ärmel gedreht, um sie an meine Armhaltung anzupassen. Dies ist normalerweise nicht Teil des Maßkonfektionsprogramms, wird aber in Ausnahmefällen gemacht. Bei dieser Anprobe fühlte ich schon die sehr leichte Verarbeitung und den weichen, anschmiegsamen Schnitt. Einen Unterschied zu Bespoke habe ich nicht gespürt.



Die Fertigprobe fand wieder in Berlin statt. Der Anzug saß nach den Änderungen einwandfrei. Rein optisch ist kein Unterschied zum „bespoke“ festzustellen. Hätte es bei dem Anzug eine Qualitätssteigerung gebracht? Im Detail bestimmt und auch beim Umfang der Handarbeit. Ob „bespoke“ subjektiv besser geworden wäre, ließe sich wohl nur im 1:1-Vergleich feststellen. Es hängt natürlich sehr von der Figur des Kunden ab, wie gut das Ergebnis bei Maßkonfektion ausfällt. Für sich betrachtet ist das Ergebnis sehr gut, was ja auch die Bilder beweisen. Sie sind ohne jegliches „Styling“ am Anzug gemacht worden, also ohne Klammern oder Stecknadeln an der von der Kamera abgewandten Seite des Anzugs. Die Maßkonfektion von Massura kann ich durchweg empfehlen, vorausgesetzt natürlich, dass man den Stil des Hauses mag. Sie bietet zu einem anständigen Preis hervorragende Passform, sehr gute Schneiderarbeit und vor allem einen sehr eleganten Look. Viele Schneider würden so einen Anzug auch als „bespoke“ nicht hinbekommen. 

  1. Guten Morgen Herr Roetzel,

    der Anzug macht einen sehr guten Eindruck! Die Passform ist für eine Maßkonfektion tatsächlich beachtlich. Einer der entscheidenden Punkte ist sicherlich das Drehen des Ärmels: Viele Schneider scheuen diese Anpassung, die aber (bei mir) dringend notwendig ist, wie ich selbst im letzten Jahr gelernt habe. Es ist kein leichter Eingriff, der auch recht teuer ist, aber es lohnt sich. Dass Massura diese Anpassung bei einer Maßkonfektion vornimmt, finde ich bemerkenswert. Aber auch Ihre Brust- und Schulter sitzen gut.

    Beim Stoff bin ich mir nicht so sicher, ob es meine Wahl wäre: Ein DB mit diesem eher auffälligen Stoff wirkt mir etwas unentschlossen: Ist der Anzug eher Casual oder eher formell?

    Ich bin durch einen Ihrer früheren Artikel auf Masssura aufmerksam geworden und bevorzuge seitdem „bespoke“: Der etwas höhere Preis ist es mir wert. Aber ich kann Ihr Urteil zur Maßkonfektion gut nachvollziehen. Für viele Interessierte wird es ein schlagendes Argument geben: Es geht schneller.

    1. Guten Morgen, der Solaro-Stoff ist tatsächlich genau auf der Mitte zwischen „casual“ und „förmlich“ einzuordnen. Einen Anzug aus diesem Stoff würde ich nur am Tage tragen, ähnlich wie einen Anzug aus leichtem Glencheckstoff. In Italien sind Anzüge aus diesem Stoff Klassiker für das Frühjahr.

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