Ferdinand Schwarzer, Chef des Wiener Juweliers Schwarzer, im Porträt

Manschettenknöpfe aus Wien — Interview mit Ferdinand Schwarzer

Ferdinand Schwarzer über Manschettenknöpfe, Siegelringe und Handarbeit

Das Wiener Familienunternehmen Schwarzer, gegründet 1896, handelt in der fünften Generation mit Juwelen. Chef des Hauses ist Ferdinand Schwarzer, wir sitzen mit ihm im Garten des historischen Firmensitzes. Es ist neun Uhr am Morgen im Sommer und noch angenehm kühl. Man hört nur das Plätschern des Springbrunnens und das Rascheln der Vögel im Efeu. Schwer zu glauben, dass der belebte Naschmarkt und die U-Bahn-Station Kettenbrückengasse nur ein paar hundert Meter entfernt liegen. Ferdinand Schwarzer hat gerade Kaffee und Wasser geholt, jetzt stellt er noch ein paar Schmuckschachteln mit Manschettenknöpfen auf. Dann ist alles bereit zum Gespräch.

Ferdinand Schwarzer im Garten des historischen Firmensitzes in Wien
Ferdinand Schwarzer im Garten des Wiener Firmensitzes.

Das Manschettenknopf-Hobby im Familienunternehmen

FH: Du leitest das Unternehmen in der fünften Generation. Verglichen mit eurer langen Firmengeschichte und allem, was ihr sonst noch macht im Bereich Schmuck und Schmuckhandel, sind diese Manschettenknöpfe nur ein ganz kleiner Teil. Kannst du kurz einordnen, wie das Manschettenknopf-Projekt in die Welt von Schwarzer Juwelier passt?

Ferdinand Schwarzer: Sehr gerne. Wir sind ein Familienunternehmen. Unser Hauptgeschäft ist Schmuck nach Maß, Eheringe, Verlobungsringe. Das mit den Manschettenknöpfen hat als persönliches Hobby begonnen. Für den Herrn ist es sehr schwierig, viel Schmuck zu tragen, da bleiben wenig Optionen. Das eine wäre der Siegelring, das andere vor allem die Manschettenknöpfe. Ich selbst trage eigentlich nur Hemden mit Doppelmanschetten und dementsprechend jeden Tag Manschettenknöpfe. Ich hatte die ganzen klassischen Modelle mit Perlmutt, Lapislazuli und so weiter teilweise von meinem Großvater geerbt, schön in Gold. Aber irgendwann wird das langweilig. Vor Jahren habe ich regelmäßig bei einer Firma in London eingekauft, die heißt Deakin & Francis. Da habe ich mir zum Beispiel Hummer-Manschettenknöpfe gekauft. Aber erstens war es unpraktisch, jedes Mal nach London zu fahren, wenn ich neue Manschettenknöpfe gesucht habe. Zweitens waren sie sehr teuer. Und zuletzt wollte ich einfach meine eigenen kreativen Designs umsetzen. So hat das Ganze begonnen. Ich habe viel herumexperimentiert: Welche Verschlüsse funktionieren, welche Federn, was lässt sich mit der Emailtechnik umsetzen? Mittlerweile ist eine stattliche Kollektion herangewachsen, die ich mit Begeisterung trage.

Silber statt Gold – wie viel darf ein Manschettenknopf kosten?

FH: Eure Manschettenknöpfe sind aus Silber, sie kosten 350 Euro. Das ist eine andere Hausnummer als über 600 Pfund in London, aber auch kein Modeschmuck. Wie ordnest du das qualitativ in eurem Gesamtangebot ein?

Ferdinand Schwarzer: Der Unterschied zu unserem übrigen Schmuck ist folgender: Verlobungsringe machen wir ausschließlich nach Maß, immer nur in Gold oder Platin, niemals in Silber. Die Langlebigkeit bei einem Verlobungsring aus Silber ist nicht gegeben. Bei einer Einzelanfertigung aus Silber wären die Fixkosten für ein Design schlicht nicht rentabel, der Arbeitsaufwand übersteigt bei weitem den Materialwert. Der Einstiegspreis bei unseren Ringen liegt bei rund 1.500 Euro, ab da geht es sich aus. Bei den Manschettenknöpfen ist es genau umgekehrt: Da produzieren wir in kleiner Serie.

FH: Aber ihr produziert hier in Österreich, als Einzelanfertigung. Wie kann das wirtschaftlich funktionieren? Ihr habt doch sicher hohe Kosten.

Ferdinand Schwarzer: Ich würde drei Punkte nennen. Erstens verkaufe ich nicht nur Verlobungsringe um 1.500 Euro, wir haben auch sehr hochwertige Stücke, die näher an 10.000 Euro kosten, wo der Wert vor allem durch den Stein bestimmt wird. Zweitens haben wir keinen Flagship-Store in der Kärntner Straße mit 30.000 oder 40.000 Euro Miete im Monat, das ist ein enormer Fixkostenvorteil. Und drittens: Der klassische Juwelier geht in Vorleistung, legt alles in den Tresor, mit dem Risiko, dass es vielleicht niemand kauft oder erst nach Monaten. Bei mir ist es genau umgekehrt: Ich gestalte das Modell, mache das 3D-Modell, gebe dem Kunden einen Kostenvoranschlag. Sagt er ja, verlange ich 50 % Anzahlung und 50 % bei der Übergabe. Jedes Stück ist praktisch schon verkauft, bevor es fertig ist. Ich habe ein negatives Working-Capital, der Kunde finanziert mich vor. Wie ein Maßschneider, der auch eine Anzahlung bekommt.

Wie ein Manschettenknopf in Wien entsteht

FH: Wenn ich jetzt so einen Manschettenknopf vor mir sehe, zum Beispiel diesen Froschkönig: Der ist sehr filigran gearbeitet, die Herstellung muss sehr aufwändig sein. Kannst du kurz erklären, wie so etwas gemacht wird?

Ferdinand Schwarzer: Zuerst werden die unterschiedlichen Teile gegossen. Dabei versuchen wir, Gewicht zu sparen.

FH: Er ist innen also hohl?

Ferdinand Schwarzer: Genau. Massives Silber wäre auch unpraktisch zu tragen. Der Froschkönig wird also in zwei Teilen gegossen, dann zusammengelötet. Der Verbindungssteg wird als Einzelteil gegossen und ebenfalls angelötet. Die Verschlüsse mit der Feder kaufen wir zu. Das Zusammenbauen machen wir zu etwa 80 % hier in Wien. Dann wird das Ganze emailliert. Email ist ein bisschen wie ein Lack oder wie Porzellan, es wird aufgetragen und dann gebrannt, wird sehr hart und robust, und man bekommt dadurch schöne Farbschattierungen.

Handzeichnung eines Manschettenknopf-Designs mit Rubin bei Schwarzer in Wien
Vom Entwurf zum Manschettenknopf: eine Skizze mit Rubin im Wiener Atelier.

FH: Das heißt, die Krone und all diese Strukturen sind im Rohzustand schon im Silber vorhanden, und dann wird das noch mit Email bemalt?

Ferdinand Schwarzer: Genau. Im Rohzustand sieht er schon so aus, aber halt aus Silber. Und dann kommt das Email oben drauf.

FH: Könnte man also auch eine Kollektion in reinem Silber ohne Email machen?

Ferdinand Schwarzer: Ja, natürlich. Aber selbst wenn es als Raw-Silber verkauft würde, wird es noch einmal rhodiniert. Das erzeugt eine Art Schutzschicht, die den besonders weißen Glanz erzeugt und ein bisschen davor schützt, dass es zu stark anläuft.

FH: Das kenne ich von Silbersachen.

Ferdinand Schwarzer: Das kann bei Silber immer wieder passieren, selbst mit Rhodiumschicht. Das ist aber kein Problem, man kann das jederzeit zu mir schicken, wir reinigen es dann. Aber sieh dir mal den Mops an: Der ist komplett massiv und wird trotzdem in drei Teilen gegossen, der Körper, der Kopf als eigener Guss und dann der Verschluss. Beim Guss muss man nacharbeiten. Nach dem Guss wird alles versäubert, es bildet sich so etwas wie eine Haut, die komplett weggeschliffen werden muss. Dann wird wieder mit der Hand versäubert, gefeilt, poliert. Dadurch ist wirklich jedes Stück, obwohl wir in kleiner Serie produzieren, handgemacht und ein Einzelstück. Das Email wird alles mit der Hand, mit dem Pinsel aufgetragen. Wir versuchen Einheitlichkeit zu schaffen, aber man sieht trotzdem, dass jedes Stück einzigartig ist.

Der Sprung nach London

FH: Du hast am Anfang London erwähnt. Da tragen noch viele Herren Manschettenknöpfe, die müssten die Kollektion doch lieben.

Ferdinand Schwarzer: Wir haben einen Online-Shop, da kann man sich jedes Modell anschauen und alle Spezifikationen sehen. Und ich habe im Mai auf einer Messe in London ausgestellt, das hat großes Interesse geweckt. Wir arbeiten gerade daran, stärker in den Londoner Markt einzudringen. Aber viele Briten kaufen ja schon online.

Manschettenknopf von Schwarzer am Hemdärmel vor der Schmuckschachtel
Ein fertiger Manschettenknopf am Ärmel, in der Schmuckschachtel von Schwarzer.

Siegelring, Wappenring und Armband

FH: Nochmal zum Thema Schmuck für Herren: Wie stehst du zum Thema Wappenring und Siegelring? Muss er aus der eigenen Familie sein?

Ferdinand Schwarzer: Ich bin grundsätzlich ein großer Freund des Wappenrings und des Siegelrings. In Österreich ist es ein bisschen schwierig: Es gibt offiziell keinen Adel mehr, aber es gibt natürlich die Familien, die immer adelig waren. Das Problem ist, dass es Leute gibt, die Wappenringe tragen, die vom niedrigsten Adelsgrad irgendwann über zehn Ecken in der Familie waren, wo eigentlich keine direkte Linie besteht. Was in England oder Frankreich völlig normal wäre, mokiert in Österreich die alten großen Familien. Da muss man ein bisschen vorsichtig sein. Es gibt aber viele andere Möglichkeiten: Man könnte sein Monogramm oder ein Symbol in einen Lapislazuli eingravieren lassen. Ich selbst arbeite gerade an einem Ring, den ich mir zu meinem 30. Geburtstag schenken möchte.

FH: Die Gravur beim Siegelring muss aber spiegelverkehrt sein, oder? Sonst ist das Siegel verkehrt herum im Siegellack.

Ferdinand Schwarzer: Deshalb wird der Siegelring eigentlich korrekt am kleinen Finger getragen. Damit man damit tatsächlich siegeln kann.

Ferdinand Schwarzer sitzend im Anzug, Porträt
Ferdinand Schwarzer im Gespräch über Ringe, Siegel und Armbänder.

FH: Wie stehst du zum Thema Armbänder?

Ferdinand Schwarzer: Die sind gerade stark im Kommen, und ich finde das grundsätzlich sehr gut und schön. Man muss aufpassen, weil es auch sehr vulgäre Varianten gibt, ein dicker goldener Armreif mit dieser Platte, das geht nicht. Aber eine alte antike Uhrenkette, die man umarbeiten lässt, das kann wunderbar sein. Ich selbst trage ein eher unscheinbares Armband aus geflochtenem Stoff, in der Mitte aber mit drei rohen Smaragden aus Kolumbien. Die haben eine persönliche Bedeutung, ich habe sie selbst in Kolumbien gekauft, die Minen besucht, sie in eine grobe würfelige Form schleifen lassen. Wer sich nicht auskennt, denkt, es ist ein einfaches Schmuckband. Ich trage es beim Sport, unter der Dusche, überall.

Manschettenknöpfe Kaviardose und Classic Rosé Rubin von Schwarzer
Zwei Wege, ein Motiv: der verspielte Kaviardosen-Knopf und das klare Classic-Modell in Roségold mit Rubin.

Ein Styling-Tipp für Einsteiger

FH: Zum Abschluss hätte ich gern noch einen Styling-Tipp von dir. Was würdest du jemandem sagen, der sich unsicher ist, wie er anfangen soll mit Manschettenknöpfen? Sagen wir, er arbeitet in der Bank, trägt einen Anzug. Welches Modell wäre ein guter Auftakt?

Ferdinand Schwarzer: Wenn er noch gar keine Manschettenknöpfe besitzt, würde ich klar unser Klassikmodell empfehlen. Das ist der perfekte erste Einstieg, den man extrem vielseitig kombinieren kann. Man kann das Modell übrigens auch hinten wunderschön gravieren.

FH: Und für Fortgeschrittene?

Ferdinand Schwarzer: Wenn jemand bereits viele klassische Manschettenknöpfe besitzt, würde ich definitiv unsere extravaganten Modelle empfehlen, gerne auch mit Farbe. Ich habe ein Modell, die Kaviardose, die kann man sogar aufschrauben. Grundsätzlich habe ich bei fast allen Manschettenknöpfen bewusst immer den gleichen Preis, damit der Kunde sich nicht am Preis orientiert, sondern das Design nimmt, das ihm persönlich am meisten anspricht und eine Bedeutung hat. Und jetzt zeige ich dir noch unser allerneuestes Modell, das ist noch gar nicht offiziell am Markt: Das ist die Auster, innen gelb vergoldet, mit einer echten Perle in der Mitte. Und der Verschluss ist eine Champagnerflasche, die sich aufklappen lässt. Das habe ich zusammen mit Arthur von den Champagneros entwickelt, wir werden diesen Manschettenknopf auch zusammen vertreiben.

Kaviardose-Manschettenknöpfe von Schwarzer am Smoking-Ärmel
Der Kaviardosen-Manschettenknopf am Smoking-Ärmel.

Vielen Dank, Ferdinand, für das Gespräch und die vielen Einblicke.

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