Der Sommer ist die Saison der Hochzeitsfeiern. Für Brautleute und Gäste stellt sich dann die Frage nach dem richtigen Outfit. Der Stil, den die Gastgeber sich wünschen, gibt dabei den Ton für die Geladenen an. Ganz wichtig: Wer einlädt, sollte den Gästen klar mitteilen, was gewünscht ist. Wir sprechen hier übrigens nur von der Kleidung der Herren, da sie unser Thema ist.

Eine Grundregel vorab
Bevor wir die verschiedenen Outfitvarianten beschreiben, sei eine wichtige Regel genannt: Die Gäste dürfen nicht eleganter als das Brautpaar gekleidet sein. Das bezieht sich wohlgemerkt auf Hochzeiten, bei denen der Dresscode sich an der Tradition orientiert, nicht aber auf Themenhochzeiten, z. B. „Mittelalter“ oder „Wilder Westen“.
Wenn also das Brautpaar bei einer Hochzeit auf dem Land helle Sommeranzüge als Dresscode ausgibt, dann sollten sich die Gäste daran halten und nicht in dunklem Zwirn oder Cut erscheinen. Umgekehrt wäre es ein Fauxpas, im hellen Baumwollanzug zu erscheinen, wenn der Dresscode klar förmliche Kleidung vorschreibt.
Cut oder „morning dress“
Die förmlichste Variante für das Outfit bei der Sommerhochzeit ist der Cut, im englischen Sprachraum bekannt als „morning dress“. Der Cut ist der Frack des Tages. Er besteht aus dem Rock aus dunkelgrauem oder schwarzem Stoff, einer hellen Weste aus feinem Wollstoff oder Leinen, gestreiften Hosen und schwarzen Schuhen. Dazu ein Hemd mit Umlegekragen und Doppelmanschetten und ein Langbinder. Wichtig: niemals Schleife.

Die meisten Männer besitzen nur ein Cut-Outfit, da sie es nicht oft einsetzen. Deshalb empfiehlt sich ein leichter bis mittelschwerer Stoff, der das ganze Jahr über getragen werden kann. Für fröhliche Anlässe reicht eine helle Weste, z. B. aus hellgrauem Wollstoff oder einer Art Beige (in England genannt „buff“). Eleganter ist im Sommer eine Weste aus Leinen. Bei Beerdigungen ist die Weste übrigens immer schwarz, genau wie der Langbinder.
Für die gestreiften Hosen gibt es in den Bündeln der Tuchhäuser verschiedene Qualitäten. Grundsätzlich ist Wolle zu empfehlen. Kleinere, schlanke Herren sollten darauf achten, dass die Streifen nicht zu breit sind bzw. nicht zu weit auseinanderliegen. Alternativ zu den Streifen kann man zum Cut auch Pepita-Hosen tragen oder sogar Hosen aus Glencheck-Stoff. Beide Streifenalternativen sind jedoch relativ exzentrisch, wer als Gast nicht auffallen möchte, sollte bei den Streifen bleiben.
Gelegentlich sieht man bei Hochzeiten Cut-Anzüge, bei denen Rock, Weste und Hosen aus dem gleichen Stoff geschneidert sind, meistens aus mittel- bis hellgrauem Wolltuch (z. B. als „Sharkskin“, „Pinpoint“ oder „Nailhead“), seltener aus Glencheck oder Pepita. So etwas kann sehr gut aussehen, Anfänger sollten sich vorsichtshalber besser an den Standard-Cut halten.
Elegante Alternativen
In manchen Familien des Großbürgertums und des Adels trägt der Bräutigam in der Kirche auch am Tag den Frack. Auf die Gäste wird dieser Dresscode nicht ausgedehnt. Da der Frack die absolute Ausnahme darstellt, sei er hier nur am Rande erwähnt. Analog zum Frack kann auch Uniform getragen werden, außerdem Tracht.
Eine weitere Alternative zum Cut ist der so genannte Stresemann oder „stroller suit“. Bei ihm wird anstelle des Schoßrocks eine schlitzlose Jacke in Sakkolänge getragen. Dieser Anzug wirkt im Vergleich zum Cut ein wenig nüchtern und schmucklos. Passend wäre er am ehesten noch auf dem Standesamt. Eleganter ist bei einer kirchlichen Trauung im Sommer der Cut. Dennoch ist dieser Anzug eine Option, wenn man ein traditionelles Outfit sucht, einem der Cut aber zu „übertrieben“ erscheint.
Das Zubehör zum Cut
Zum Cut gehört auch der schwarze Zylinder, der in der Kirche natürlich abgenommen wird. Man stellt ihn unter den Stuhl bzw. die Bank. Viele Gäste verzichten allerdings auf den Hut, weil sie ihn ungern aufsetzen und es ihnen lästig ist, ihn herumzutragen. Zum Stresemann wird kein Zylinder getragen, sondern ein schwarzer Homburg.

Für die Krawatte zum Cut darf man zwischen Jacquard-Seide und bedruckter Seide wählen, genauso kommt Seidenstrick in Frage. Vom Plastron (mit Kläppchenkragen) sei abgeraten, er gehört seit Jahrzehnten nicht mehr zum Cut.

Für das Einstecktuch empfiehlt sich weißes Leinen, farbige Seide geht aber natürlich auch. Das Hemd darf einen weiß abgesetzten Kragen haben. Die Manschetten sollten dagegen nicht kontrastieren.
Bei den Schuhen sind Oxfords mit oder ohne Kappe die traditionelle Wahl, rahmengenähte oder durchgenähte Loafer sind jedoch auch seit langem akzeptiert. Tasselloafer oder gar Pennyloafer wären zu sportlich zum Cut, klassische Gucci-Loafer mit Trensengebiss gelten dagegen als passend.

Der dunkle Anzug
Eine Stufe weniger förmlich wäre der dunkle Anzug aus leichtem Tuch, z. B. aus Wolle, Kaschmir, Mohair oder Mischungen dieser Fasern. Als Farbe kommen Dunkelgrau oder Dunkelblau in Frage, nicht dagegen Schwarz und auf keinen Fall Braun.


Wenn sich das Paar für einen lässigeren Dresscode entscheidet, z. B. bei einer Hochzeit auf dem Land bei sehr heißem Wetter, dann kann auch ein heller Leinen- oder Baumwollanzug getragen werden. Dies sollte dann als Dresscode für alle vorgegeben werden. Wenn der Bräutigam sich von den Gästen abheben soll, kann er selbst einen dunklen Anzug wählen, als Dresscode aber „heller Sommeranzug“ ausgeben.



Smoking, ja oder nein?
Immer wieder wird gefragt, ob man bei der Hochzeit Smoking tragen darf. Am Ende ist es die Entscheidung des Brautpaars. Die Tradition sieht den Smoking aber als reinen Abendanzug. Bei einer Hochzeit würde man also am Tag eine der beschriebenen Anzugarten bevorzugen, den Smoking dann aber erst abends tragen. Dass man sich dann zwischendurch umziehen muss, lässt sich meistens vom Ablauf her einrichten.
Im Sommer kann beim abendlichen Teil der Hochzeitsfeier das weiße Dinnerjacket getragen werden, sofern das Fest, wenigstens teilweise, unter freiem Himmel stattfindet. Bei Sommerhochzeiten ist dies meistens der Fall, allein schon deshalb, weil die Raucher sich draußen versammeln.
Das Smoking-Outfit im Detail
Der Smoking besteht grundsätzlich aus einem schwarzen oder nachtblauen Ein- oder Zweireiher mit seidenbesetzten Revers und einem seidenen Galon an der Außennaht der Hosen. Es gibt auch Smokings mit Weste. Der „Cummerbund“ wird nur zu Einreihern getragen, er ist allerdings ohnehin verzichtbar.

„Seidenbesetzt“ ist nicht wörtlich zu verstehen. Bei manchen Smokings aus der Konfektion besteht der Satin oder das Ripsgewebe auf den Revers aus Synthetik. Bei einem handgenähten Smoking oder einem Smoking vom Herrenschneider darf man dagegen echte Seide erwarten.
Zum Smoking wird ein weißes oder cremefarbenes Smokinghemd getragen, vorzugsweise mit Umlegekragen und Doppelmanschette. Die Brust von Smokinghemden ist entweder mit Baumwollpikee (in England als „Marcella“ bekannt) besetzt oder aber gefältelt. Es gibt weitere Varianten von Smokinghemden, die in diesem Artikel aber nicht behandelt werden müssen.

Vorsicht bei Smokinghemden mit Rüschenbesatz an der Front. Sie waren in den 1970ern in Mode, galten aber auch damals unter Freunden des klassischen Stils als geschmacklos. Sie sind nur als Gag akzeptabel.
Zum Smoking wird eine selbst gebundene Schleife aus schwarzer Seide getragen, kein schwarzer Langbinder und keine Schleife in anderen Farben. Das Einstecktuch ist aus weißem Leinen oder farbiger Seide.

Schuhe und Strümpfe zum Smoking
Zum Smoking werden Smokingschuhe aus Lackleder oder gut poliertem Kalb getragen. Manche Briten bevorzugen anstelle von Smokingschuhen schwarze Loafer mit Trensengebiss, wie sie von Gucci berühmt gemacht worden sind.

Schwarze, sehr feine Kniestrümpfe sind erste Wahl zum Smoking, man kann aber auch mit farbigen Strümpfen einen Akzent setzen. Eine Hochzeit ist ein fröhlicher Anlass, bei dem ein modisches Augenzwinkern erlaubt ist.
Das weiße Dinnerjacket darf auch cremefarben sein (genannt „écru“), als Stoff kommen neben leichtem Woll- oder Kaschmirtuch auch Mohair, Seide oder Leinen in Frage. Das helle Dinnerjacket wird ansonsten wie ein schwarzer Abendanzug kombiniert.

Einstecktuch und Knopflochblume
Beim Smoking wurde schon das Einstecktuch erwähnt. Es gehört natürlich auch zum dunklen Anzug (weißes Leinen oder farbige Seide) sowie zum hellen Sommeranzug (ebenfalls weißes Leinen oder farbige Seide).
Eine Knopflochblume wäre sehr passend bei Bräutigam und Gästen, allerdings sollte man darauf achten, dass sie wirklich im Reversknopfloch steckt und nicht auf das Revers gesteckt wird, womöglich in einer Miniaturvase.

