Wie muss ein Anzughemd wirklich sitzen, was bedeutet „unfixierter Kragen“, und darf das Buttondownhemd zur Krawatte? Bernhard Roetzel beantwortet die 41 wichtigsten Fragen zum Hemd: von der Passform über die Pflege bis zu Kragenformen und Stoffen.
1. Wie muss ein Anzughemd sitzen?

Die Ärmel müssen so lang sein, dass die Manschetten auch bei angewinkeltem Arm aus dem Sakkoärmel hinausschauen. Die Länge des Sakkoärmels richtet sich jedoch nach der Ärmellänge des Hemds. Die Manschetten sollten die Handgelenke locker umschließen und, beim Maßhemd, genug Raum für die Uhr lassen. Die Gesamtlänge des Hemds ist dann optimal, wenn es bei keiner Bewegung aus der Hose rutscht, der Rumpf des Hemds sollte aber auch nicht unter leichten Sommerhosen auftragen. Der Kragen sollte den Hals so eng umschließen, dass er sich nicht in Wellen legt, wenn die Krawatte zugezogen wird, der Kragen darf aber auch nicht einengen.
2. Welche Vorteile hat das Maßhemd?
Hemden von der Stange werden nach Halsweite und Ärmellänge sortiert, die Weite des Hemds an Schultern, Brust, Taille und Hüfte richtet sich nach Durchschnittswerten. Wenn der Körper dem Durchschnitt entspricht, passt das Konfektionshemd ohne Probleme. Wenn aber einer der Werte stark abweicht, wird das Hemd an bestimmten Bereichen zu eng sein. Wer z. B. viel Krafttraining macht, hat einen überdurchschnittlich großen Brustumfang und starke Schultern und Oberarme. Wenn das Konfektionshemd am Oberkörper passt, wird es unten viel zu lang und weit sein. Wer dagegen sehr groß ist, für seine Länge aber sehr hager ist, wird von der Stange immer ein zu kleines Hemd bekommen, wenn es am Hals passt. Das Maßhemd wird in allen Bereichen an den Körper angepasst und sitzt deshalb bei jeder Figur optimal und nach Wunsch.
3. Welche Passformen gibt es bei Hemden?
Es gibt traditionell drei Passformen, die man auch als Grundschnitt bezeichnen könnte. Die geräumige englische, die taillierte italienische und die gemäßigt körpernahe der deutschen Hemdenmacher. Das Maßhemd wird zwar nach Wunsch und passend zu den Maßen des Kunden genäht, wie es nachher sitzt, hängt aber mit der Vorauswahl der Passform zusammen. Die meisten Maßhemden bieten mehrere Grundschnitte an, in der Regel mindestens einen körpernaheren und einen etwas weiteren, bequemeren.
4. Wie läuft die Bestellung eines Maßhemds ab?
Früher wurden einfach nur die Maße des Kunden genommen, später hat dann ein Hemdenmacher die Zahlen in einen Schnitt umgesetzt. Heute lassen die meisten Maßkonfektionäre den Kunden so genannte Schlupfmuster probieren, Hemden aus neutralem Stoff in allen verfügbaren Größen. Der Verkäufer sucht das annähernd passende Schlupfmuster heraus und lässt den Kunden es anziehen. An dem Hemd kann der Verkäufer ablesen, wo es passt und wo es angepasst werden muss. Er kann Umfang oder Länge in allen Bereichen dazugeben oder reduzieren und trägt die Änderungen in das Bestellformular ein. In manchen Fällen wird das Schlupfmuster auch am Körper in die richtige Form gesteckt, anschließend wird diese Form dann abgemessen. Anschließend wählt der Kunde den Stoff, sucht Kragen und Manschetten aus sowie die Knöpfe. Wenn er mehrere Stoffe bestellt, nähen die meisten Hemdenmacher bei der ersten Bestellung trotzdem zunächst nur ein Hemd, um sicherzugehen, dass es gut passt und der Schnitt dem Kunden angenehm ist. Erst wenn alles okay ist, wird die Lieferung komplett fertig genäht.
5. Wie wasche ich Hemden richtig?
Theoretisch könnte man Baumwollstoffe bei 90 Grad waschen, die meisten Hersteller empfehlen aber die Wäsche bei 40 Grad. Häufig wird empfohlen, die Hemden beim Waschen in ein spezielles Netz oder einen Stoffbeutel zu stecken, um die Hemden zu schonen, die Trommeln der Waschmaschinen sollten dem Stoff aber in keinem Fall schaden. Empfehlenswert sind Farbwaschmittel oder so genannten Hemden-Shampoos, die besonders schonend reinigen. Auf keinen Fall sollte man Hemden anschließend in den Trockner stecken, sie gehören auf die Leine. Auch die besten Hemdenstoffe könnten im Trockner einlaufen.
6. Wie bügele ich am effektivsten?
Fast immer wird empfohlen, das Hemd zu bügeln, wenn es auf der Leine noch nicht ganz getrocknet ist, also noch leicht feucht ist. Wenn die Hemden doch schon durchgetrocknet sind, kann man sie einsprühen und kurz in eine Plastiktüte stecken, dann werden sie wieder feucht. Mit einem guten Dampfbügeleisen, dessen Sohle sehr glatt ist, lassen sich auch trockene Hemden mühelos glätten. Es gibt unterschiedliche Bügeltechniken. Oft werden zuerst die Ärmel von beiden Seiten geplättet, dann die Manschetten. Anschließend die Schulterpasse und der Kragen. Danach der Rücken und dann die Frontteile. Wenn das Hemd sehr zerknittert ist, kann man Rücken und Front innen und außen plätten. Nach dem Bügeln sollte das Hemd einen Moment auskühlen, bevor man es anzieht, da es sonst stark knittert.
7. Muss ich Hemden stärken?
Das Stärken im klassischen Sinne ist heute nur noch bei Frackhemden üblich, das ist aber etwas für Profis. Sehr hilfreich ist Sprühstärke, da der Stoff schneller glatt wird und auch länger glatt bleibt. Sie enthält natürliche, pflanzliche Stärke und schadet dem Gewebe nicht. Es ist Geschmacksache, ob man sie gern verwendet oder nicht, einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.
8. Was heißt bügelfrei und bügelleicht?
In Deutschland sind Hemdenstoffe beliebt, bei denen das Bügeln ganz oder teilweise entfallen kann. Aufgrund der chemischen Behandlung der Faser glättet sich der Stoff durch die Körperwärme während des Tragens immer wieder neu von selbst. Tatsächlich ist ein Hemd aus bügelfreiem Stoff ohne Bügeln nie so glatt, wie ein richtig geplättetes Hemd. Damit bügelfreie Hemden ansatzweise glatt werden, sollte man sie nur kurz schleudern und leicht im Trockner antrocknen. Die Wärme führt dazu, dass die Fasern im Garn sich glätten. In Italien sind bügelfreie Hemden wesentlich unbeliebter als in Deutschland, da sie nie so atmungsaktiv sind, wie unbehandelte Hemdenstoffe. Wenn das Hemd in der Mitte des Businesstages zu knitterig geworden ist, sollte man einfach ein frisches Hemd anziehen. In den meisten Büros ist in einem Schrank genug Platz, um ein paar Hemden bereithängen zu haben.
9. Sind Kontrastknopflöcher, farbige Zierstiche oder Knöpfe beim Businesshemd zu empfehlen?
Nein, sie sind, wie alle modischen oder stilistischen Gags, dem smarten Casualbereich oder der Freizeitmode vorbehalten. Im Business und beim dunklen Anzug zählt die zeitlos, seriöse Ausstrahlung.
10. Aus welchem Material sind die Knöpfe?
Traditionell werden gute Hemden und Maßhemden mit Perlmuttknöpfen ausgestattet. Ihr Schimmer wirkt elegant, das Material fasst sich angenehm an und es ist so hart, dass es nicht zerbricht, wenn die Näherin aus Versehen mit der Nadel der Maschine neben das Knopfloch sticht.
11. Warum haben italienische Hemden diese dicken Knöpfe?
Hemdenmacher bieten meist verschiedene Knopfformen zur Auswahl an, die neapolitanischen Anbieter lancierten in den 1990ern für ihre handgenähten Hemden besonders dicke Knöpfe, weil sie angeblich besser in der Hand liegen. Da diese Knöpfe sehr auffällig sind, wurden sie so etwas wie ein Erkennungsmerkmal des italienischen Hemds, auch wenn viele Hemdenmacher des Südens flache Knöpfe bevorzugen. Dicke Knöpfe haben den Nachteil, dass sie am Kragen unter dem Krawattenknoten drücken können.
12. Sind Kurzarmhemden im Büro wirklich tabu?
An heißen Tagen ist nichts gegen ein Kurzarmhemd zu sagen, als tabu gilt es nur, es zu einem Anzug oder einem Sakko zu tragen. Nach den Regeln der traditionellen Bekleidungskultur muss die Hemdenmanschette ein kleines bisschen aus dem Ärmel des Sakkos oder der Anzugjacke hervorschauen, was beim Kurzarmhemd nicht geht. Das Kurzarmhemd wird als Teil von Berufsbekleidung und Uniformen getragen, weil es für Paketboten, Busfahrer, Polizisten und Soldaten wichtiger ist, bei ihrer Tätigkeit luftig gekleidet zu sein, Eleganz ist da nachrangig. Im Geschäftsleben gelten dagegen, wenigstens in einigen Branchen, noch die Dresscodes der Eleganz.
13. Wie wähle ich die Hemdenfarbe zum Anzug aus?
Zum Anzug passt immer das weiße Hemd, am Tage außerdem hellblaue Stoffe als Uni oder mit feinem Muster. Ein nicht zu grelles Pink ist ebenfalls eine klassische Businesshemdenfarbe für den Tagesanzug, andere Farben wie z. B. Gelb, Orange, Flieder, Beige, Mint oder Rost sollte man vermeiden. Diese Farben können aber sehr wohl Teil eines Dessins auf weißem, hellblauem oder rosa Fond sein. Je feiner das Dessin, desto förmlicher wirkt es. Abends ist das weiße Hemd, analog zum schwarzen Schuh, die erste Wahl.
14. Wozu sind Initialen gut?

Wo sollten sie platziert werden? Angeblich sollten Initialen früher verhindern, dass Hemden in der Wäscherei verloren gehen. Dies ist wenig glaubwürdig, da die Wäschereien schon auch früher die Hemden mit nummerierten Etiketten versehen haben. Initialen sind einfach ein nettes persönliches Detail, das man sich vor allem selbst gönnt. Deshalb lassen die meisten Herren die eingestickten Buchstaben so platzieren, dass sie für Außenstehende unsichtbar sind, z. B. links unter der Brust in Taillenhöhe. Andererseits ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, die Initialen auf der Manschette, der Schulter oder in Brusthöhe einsticken zu lassen.
15. Ich trage gern Stretchhemden. Ist das okay?
Dehnbare Stoffe waren früher der Damenmode vorbehalten, inzwischen werden sie aber auch viel bei Herrenbekleidung eingesetzt, vor allem beim eng geschnittenen Slimfit-Look. Es ist am Ende eine Frage des Tragegefühls, ob man den Stretch-Effekt mag oder nicht. Der Außenstehende weiß davon ohnehin nichts. Allerdings sollte ein Businesshemd generell nie so eng geschnitten sein, dass nur der Stretch-Stoff es tragbar macht.
16. Welches Hemd passt zum Smoking?

Seit sich der Smoking zwischen 1900 und 1930 als die etwas bequemere Alternative zum hochoffiziellen Frack etabliert hat, waren verschiedene Smokinghemden in Mode. Zuerst trugen die Herren Hemden mit Kläppchenkragen und steifer Brust, in den 1930ern setzt sich aber das Smokinghemd mit Umlegekragen und einer Brust und Manschetten aus Waffelpikee durch. Alternativ waren Smokinghemden mit gefältelter Brust beliebt. Das Rüschenhemd der 1970er galt schon zu seiner Zeit als eher geschmacklos. Smokinghemden verstecken die Knöpfe entweder hinter der so genannten verdeckten Knopfleiste oder sie kommen ganz ohne Knöpfe aus. Dann wird das Hemd durch Steckknöpfe geschlossen. Am bequemsten zu handhaben ist ein Hemd mit Waffelpikeefront (auch Marcella genannt) mit verdeckter Knopfleiste. Smokinghemden werden traditionell mit Doppelmanschetten ausgestattet, die durch Manschettenknöpfe geschlossen werden.
17. Wie wähle ich die richtige Kragenform zu meinem Gesicht aus?

Bei jedem Gesicht stellt sich die Frage, ob der Kragen die Form wiederholen und dadurch unterstreichen soll oder ob er ein Gegengewicht bilden muss. Zu einem langen, hageren Gesicht kann also entweder ein eher hoher Kragen mit dicht nebeneinanderliegenden Kragenschenkeln getragen werden (er würde das Gesicht gewissermaßen spiegeln) oder aber ein schmaler Etonkragen mit abgerundeten Spitzen (= Kontrast). Wichtiger als das Gesicht ist aber Form und Länge des Halses. Ein langer Hals erfordert einen hohen Kragen, da ein kurzer Kragen ihn noch länger aussehen lassen würde. Ein kurzer, breiter Hals wirkt durch einen Haifischkragen noch gedrungener, hier wäre ein schmaler Kentkragen oder ein Tabkragen vorteilhafter. Am besten ist es, wenn man bei einem Maßhemdenmacher die verschiedenen Kragenmodelle durchprobiert.
18. Sind kragenlose Hemden nur etwas für die Freizeit?
Der Kragen symbolisiert Förmlichkeit, denn nur mit Kragen kann man Krawatte tragen. Deshalb wirken kragenlose Hemden zu lässig, um sie für den klassischen Businesslook einzusetzen.
19. Das Hemd rutscht immer aus der Hose raus. Woran liegt das?
Wenn das Hemd zu kurz ist, rutscht es heraus, sobald man die Arme hebt. Allerdings kann auch ein tiefes Armloch dazu führen, dass sich das ganze Hemd verzieht, wenn man die Arme bewegt. Manche Schneider statten den Hosenbund innen mit einem schmalen Gummiband aus, um das Hemd in Position zu halten.
20. Sollte das Businesshemd eine Brusttasche haben?
Hemden, die zum Anzug getragen wurden, hatten keine Brusttaschen, da der Anzug ursprünglich immer dreiteilig war, in den Westentaschen konnte man kleine Gegenstände gut unterbringen. Als die Weste nach dem zweiten Weltkrieg aus der Mode kam, ließ man das Hemd deshalb für Brille, Stift oder Kamm mit einer Brusttasche ausstatten. Der Tradition folgend haben klassische Anzughemden nach wie vor keine Brusttasche, was davor bewahrt, sie mit Kulis, Brillen und Notizzetteln zu überladen.
21. Wie bekomme ich Flecken raus?
Alle Flecken sollten sofort behandelt oder gewaschen werden, Flecken auf Fettbasis mit Wasser und Seife oder anderen Fettlösern. Blutflecken sofort mit kaltem Wasser ausspülen. Eingetrocknetes Blut kann wieder herausgehen, wenn man das Hemd ein oder zwei Tage in Wasser mit viel Gallseife einweicht und dann wäscht.
22. Was heißt unfixierter Kragen?
Bei fast allen Hemden besteht der Kragen aus zwei Lagen Oberstoff mit einer Einlage aus dünner Baumwolle oder Leinen dazwischen. Ohne die Einlage hätte der Kragen keinen Stand und würde viel zu schnell knittern. Die Einlage wird heute meistens mit einem Thermokleber fixiert, also unter Hitzeeinwirkung angepresst. Beim unfixierten Kragen werden die drei Stofflagen nur durch die Naht an der Kragenkante zusammengehalten. Unfixierte Kragen sind etwas flexibler, beim Bügeln muss man aber aufpassen, dass die äußere Stofflage sich nicht verschiebt und Falten wirft.
23. Darf ich ein Buttondownhemd mit Krawatte tragen?
Das Buttondownhemd wurde im Jahr 1900 vom New Yorker Herrenausstatter Brooks Brothers auf den Markt gebracht. Damals war das Buttondownhemd mit seinem weichen Kragen ein geradezu revolutionärer Gegenentwurf zum steifen Stehkragen, es wurde aber durchaus mit Krawatte getragen. In Europa wurde es in den 1980ern als Freizeithemd eingeführt, deshalb hält sich das Vorurteil, dass man es nicht mit Krawatte zum Anzug tragen darf. Das ist zwar nicht korrekt, die europäische Bekleidungstradition kennt dieses Hemd allerdings tatsächlich nicht.
24. Wie sieht ein Frackhemd aus?

Das Frackhemd hat einen steifen Kläppchenkragen und eine gestärkte Hemdbrust aus Waffelpikee, die Manschetten werden aneinandergelegt und mit Manschettenknöpfen geschlossen, es sind allerdings keine Doppelmanschetten. Ein Smokinghemd kann man nicht ersatzweise zum Frack tragen, da es mit Doppelmanschetten ausgestattet ist.
25. Welches Hemd passt zum Cut?
Obwohl in vielen Filmen bei Hochzeiten zum Cut Kläppchenkragen und Plastron getragen werden, ist ein Hemd mit Umlegekragen (als Kent- oder Haifischkragen) und Doppelmanschetten die korrekte Wahl.
26. Sind Hemden immer aus Baumwolle?
Grundsätzlich ja, es sei denn, der Stoff hat Beimischungen von synthetischen Stretchfasern (es gibt auch Stoffe mit Stretch-Effekt aus 100 Prozent Baumwolle). Außerdem gibt es Hemden aus Leinen, Seiden sowie aus Fasermischungen von Baumwolle und Leinen, Baumwolle und Wolle sowie Seide und Leinen. Der Standardstoff besteht allerdings zu 100 Prozent aus Baumwolle. Die Qualität des Stoffs ergibt sich aus der Feinheit und der Länge der zu Garn versponnenen Baumwollfasern, je feiner und länger desto teurer und besser. Hemden aus Synthetikfasern oder mit Beimischung von Nylon oder Polyester sollte man vermeiden, da sie schlecht „atmen“ und man schnell in ihnen schwitzt.
27. Was heißt „handgenäht“ beim Hemd?

Wirklich komplett handgenäht sind Hemden nie, denn die Nähmaschine wird bei vielen Nähten eingesetzt. Bei handgenähten Hemden aus Manufakturen und von traditionellen Hemdenschneidern werden z. B. Schulterpasse und Ärmel von Hand angenäht, außerdem der Kragen. Die Knopflöcher werden dort von Hand umsäumt und alle Knöpfe sind von Hand angenäht. Der Saum wird handrolliert. Zusätzlich gibt es handgestichelte Ziernähte, z. B. an der Knopfleiste.
28. Warum gelten dunkle Hemden als stillos?
Der weiße Kragen ist das Synonym für den Büroangestellten, der durch seine Kleidung vom Arbeiter im Blaumann zu unterscheiden ist. Daran erinnert das weiße Hemd, dunkle Hemden sind dazu der Kontrast. Die Mode hat immer wieder dunkle Hemden favorisiert, da sie stets etwas Neues bieten muss, das weiße oder helle Hemd hat sich aber immer auf seiner Position behaupten können.
29. Kann ich gemusterte Hemden mit dessinierten Anzügen oder Sakkos tragen?
Auf jeden Fall, es kommt nur darauf an, dass sich die Muster von Hemd und Anzug bzw. Sakko in Größe und Abstand klar voneinander unterscheiden. Beispiel: Ein Hemd mit kleinem Karo passt zu einem Anzug mit weit auseinanderliegenden Streifen oder einem Sakko mit großen Karo. Wer sich unsicher ist beim Kombinieren, sollte das Muster immer nur auf eines der Elemente beschränken, also Streifenhemd mit einfarbigem Anzug oder einfarbiges Hemd mit gemustertem Anzug.
30. Sind Leinenhemden nur etwas für die Freizeit?
Es fällt vielen Nord- und Mitteleuropäern nach wie vor schwer, sich ein Leinenhemd als Bürohemd vorzustellen. In Italien trägt der klassisch gekleidete Herr dagegen im Sommer zum ungefütterten Anzug, z. B. aus leichtem grauen Fresco-Stoff oder Baumwolle, häufig Leinenhemden mit einem förmlichen Kragen (z. B. Haifisch- oder Kent), die von der Farbe her nicht von den üblichen Baumwollhemden zu unterscheiden sind. Leinenhemden knittern zwar relativ schnell und man sollte sie am Tag einmal wechseln, dafür sind sie bei Hitze sehr kühl angenehm auf der Haut. Als Alternative bieten sich Stoffe aus Baumwoll-Leinengemischen an sowie offene Gewebe wie Giro Inglese.
31. Muss ich die Spitzen des Buttondownkragens anknöpfen?
Es gilt als Ausdruck der scheinbar unkalkulierten Lässigkeit der Italiener, der „Sprezzatura“, die Spitzen des Buttondownhemds nicht zuzuknöpfen. Was unter Fans des Italolooks und Dandys angesagt ist, erregt im nüchternen Businessumfeld aber oft Verwunderung. Deshalb lieber die Spitzen anknöpfen.
32. Muss ich die Kragenstäbchen verwenden?
Die meisten Hemden mit förmlichem Kragen werden mit Stäbchen ausgestattet. Sie sollen den Kragen stabilisieren und in Form halten, allerdings tut das schon die Einlage. Insofern kann man die Stäbchen weglassen.
33. Warum fallen bei manchen Hemden die Knöpfe so schnell ab?
Bei den meisten Hemden werden die Knöpfe per Maschine angenäht. Wenn der Faden danach nicht von Hand fixiert wird, kann er sich relativ schnell lösen. Doch auch ein ordentlich angenähter Knopf kann verloren gehen, wenn ein scharfer Grat am Knopf das Garn durchscheuert. Grundsätzlich sollten bei einem guten Hemd die Knöpfe auch nach Jahren alle noch fest sitzen.
34. Wie wird die Kragenweite richtig gemessen?
Viele Verkäufer sagen, dass der Kragen dann richtig sitzt, wenn man noch einen Finger zwischen Hals und Stoff stecken kann. Es ist allerdings eine Frage des Gefühls, ab wann man einen Kragen als zu eng empfindet. Einige Männer sind am Hals sehr empfindlich gegen Druck, andere lieben einen wirklich stramm sitzenden Kragen. Grundsätzlich sollte das Maßband glatt an der Stelle um den Hals gelegt werden, an der auch der Kragen später sitzen wird. Auf die Messung allein sollte man sich nicht verlassen, das Hemd muss immer anprobiert werden (sofern man von der Stange kauft). Ein neues Hemd sollte am Hals immer einen Tick zu weit sein, weil der Stoff beim Waschen ein kleines bisschen eingehen wird.
35. Kann man im Büro die Ärmel aufkrempeln?
Wenn man in seinem Büro die Jacke abgelegt hat, kann man natürlich auch die Ärmel aufkrempeln. Man sollte nur darauf achten, dass man dabei die Manschette nicht allzu sehr verknittert. Unter der Anzugjacke gehören die Ärmel natürlich immer heruntergerollt, damit die Manschette am Ärmelabschluss aufblitzt.
36. Welche Knopfleiste passt am besten zum Businesshemd?
Grundsätzlich gibt es drei Arten von Knopfleisten, die glatte, die aufgesetzte und die verdeckte Knopfleiste. In der kontinentaleuropäischen Bekleidungskultur gilt die glatte Knopfleiste als die beste Wahl zum Businesshemd (oder zum dunklen Anzug am Abend), die aufgesetzte Variante wirkt eher sportlich, die verdeckte Knopfleiste wird meistens nur beim Smokinghemd verwendet. Grundsätzlich wäre es allerdings kein Fauxpas, die aufgesetzte oder die verdeckte Knopfleiste zu wählen.
37. Sind Hemden mit floralen Prints und Mustern bürotauglich?
Nein, sofern in dem Büro der förmliche Businesslook getragen wird oder Businesscasual. Wenn es leger zugeht, sind solche Hemdenmuster natürlich völlig in Ordnung.
38. Wozu ist das Knöpfchen am Ärmelschlitz da?
Der Schlitz am Ärmel erlaubt es, ihn aufzurollen, der kleine Knopf soll verhindern, dass er bei geschlossener Manschette zu weit aufklafft. Man kann diesen Knopf bei Maßhemden allerdings auch weglassen, da er nicht zwingend notwendig ist.
39. Wie wähle ich die richtige Manschettenform zum Kragen aus?
Kragen und Manschetten sollten miteinander harmonieren, zu einem Kent oder Haifischkragen passen Manschetten mit kantigen Formen, zu einem Etonkragen mit seinen „runden“ Ecken passen Manschetten mit abgerundeten Kanten. Auch von der Aussage des Kragens her sollte die Manschette passen, zu einem Buttondownkragen stünde die förmliche Doppelmanschette im Kontrast (was manche Herren allerdings nicht daran hindert, sie zum Buttondownkragen zu wählen). Außerdem kann die Zahl der Kragenknöpfe bei den Manschetten aufgegriffen werden, zum hohen Kragen mit zwei Schließknöpfen wäre eine Manschette mit zwei Schließknöpfen eine stimmige Wahl.
40. Warum haben manche Hemden Abnäher am Rücken?
Seit engere Hemden wieder in Mode sind, werden sie auch wieder mit Abnäher genäht. Die Abnäher fassen den Stoff an der Innenseite gewissermaßen zusammen und sorgen dafür, dass er am Rücken dichter anliegt. Es ist eine Frage des Geschmacks und des Stils, ob man das Hemd mit oder ohne Abnähern wählt.
41. Was ist der knopflose Kombikragen?
Für Männer, die am Hals sehr druckempfindlich sind, wurde der knopflose und dadurch stufenlos durch den Krawattenknoten in der Weite regulierbare Kragen entwickelt. Bei korrekt zugezogenem Krawattenknoten sieht er wie ein konventioneller Kragen aus, man kann ihn aber millimeterweise lockern, um etwas mehr Luft an den Hals zu bekommen.

