Kommentare oder Fragen? Bernhard Roetzel antwortet.
Zwei Reisen nach Hamburg. Beim ersten Besuch Maßnehmen und Stoffauswahl, beim zweiten dann die Fertigprobe. Begleiten Sie uns in die Stadt an der Elbe zum Treffen mit Mond Copenhagen.
Heller Laden
Die skandinavischen Länder haben in Europa einen guten Ruf. Sie stehen für Natürlichkeit, Design, Modernität und Lockerheit. In der Mode steht Skandinavien für schlichtes, funktionelles Design, Sportlichkeit und Qualität. An Maßkleidung und Anzüge denken die meisten eher nicht, wenn von Stockholm oder Kopenhagen die Rede ist.
Dennoch ist es dem dänischen Unternehmen MOND of Copenhagen gelungen, in Deutschland als Maßkonfektionsanbieter Fuß zu fassen. Es gibt Filialen in Hamburg und Berlin, in Österreich ist MOND in Wien präsent.
Dänen und Maßkleidung? Das überrascht nur den, der nicht die Leidenschaft vieler Skandinavier für italienische Eleganz kennt. Besucher der Pitti Uomo kennen die kleine, feine Garde nordischer Einzelhändler, Publizisten und Influencer, die sich jedes Jahr neue Inspiration in Italien holt – und dort andere inspiriert.

MOND of Copenhagen wurde 2011 von den Brüdern Michael und Martin Birch Jacobsen in der dänischen Hauptstadt gegründet. Die Idee hinter dem Konzept lautet: Einzelanfertigung statt Massenproduktion. Zielgerichteter Einsatz von Rohmaterialien, Individualität, Qualität – Maßkleidung für alle.
Das ist an sich keine neue Idee. Lagerhaltung ist teuer, Kollektionen auf Verdacht vorab zu ordern, ein großes Risiko. Und am Ende landet viel zu viel Kleidung im Ausverkauf oder im Müll. Die beiden Brüder setzten ihr Konzept sehr erfolgreich um. Erst in Dänemark, wo sie in diesem Bereich Marktführer sind. Dann in Norwegen, Deutschland und Österreich.
Die Kommunikation ist auf das Internet ausgerichtet. Sie verspricht perfekte Passform, kurze Lieferzeit und Fertigung in Europa. MOND schöpft die digitalen Möglichkeiten aus, bleibt aber überall bei traditionellen Methoden, wo sie sich bewährt haben.
In den Läden stehen Körperscanner bereit, ein KI-Tool zeigt den Kunden die gewählten Stoffe und Modellformen an ihrem Körper mit ihrem Gesicht. Wer den Scanner nicht will, kann sich auch mit Maßband und Schlupfteilen vermessen lassen.
Insgesamt ein spannendes Konzept, das sich auch bei der Gestaltung der Läden von den bekannten Mitbewerbern unterscheidet. Das Ladendesign ist hell und schlicht, es spricht vor allem Kunden an, die aus der modernen Konfektion kommen.
Wer Chesterfield-Sofas, Orientteppiche und englische Clubatmosphäre sucht, wird bei MOND enttäuscht. Vornehmtuerei ist nicht skandinavisch. Bei MOND geht es um die Kernkompetenzen des Maßkonfektionärs. Und die haben wir dort gefunden.

Scanner und Maßband
Die ersten Gespräche über einen Test des Angebots haben wir mit MOND Vienna geführt. Bestellt und fotografiert haben wir in der Hamburger Filiale. Sie liegt nur wenige Gehminuten vom Hamburger Rathaus entfernt. Dort waren wir im Frühsommer zum Maßnehmen verabredet.
Bodyscanner kenne ich seit etlichen Jahren. Ich bin kein großer Fan dieser Geräte. Was weniger daran liegt, dass ich die Zuverlässigkeit der Messergebnisse anzweifele. Ich ziehe mich beim Anzugkauf ungern bis auf die Boxershorts und Kniestrümpfe aus. Journalistische Gründlichkeit und Neugier haben mich dieses Mal dazu bewogen, die Prozedur mitzumachen.

Die Umkleidekabine ist geräumig, man hat genug Ablagemöglichkeiten. Von dort geht es direkt in den Scanner. Zwei Griffe, die man ergreifen und hochziehen muss, sollen einen brauchbaren Scan sicherstellen. Das geht schnell und unproblematisch.


Nach dem Scan sieht man sich selbst als 3-D-Bild. Meine weiten Boxershorts waren ein Problem, der Gesäßumfang konnte nicht richtig ermittelt werden. Doch das machte nichts, da ich anschließend auch noch Schlupfteile probiert habe.



Die Hose in Gr. 48 passte sehr gut. Kleine Änderungen wurden abgesteckt. Bei MOND ist man auf Träger klassischer Hosen eingestellt, die Schlupfteile für die Hosen gibt es im normalen Schnitt mit Gürtelschlaufen und in der Form mit Seitenschnallen und hohem Bund. Ich habe mich für Letztere entschieden.

Für den Stoff der Hose habe ich einen grauen Fresco von Fox Brothers ausgewählt. Und für eine zweite Hose einen mittelschweren Baumwolltwill. Da es sich um Sommerteile handelt, habe ich zu den Hosen ein einreihiges, halbgefüttertes Sportsakko aus braunem Glencheck-Leinen, eine leichte Tebajacke aus hellgrünem irischen Leinen sowie einen Leinenjanker ausgewählt. Letzterer ein Modell der Wiener Niederlassung.


Die Tebajacke und das einreihige Sakko konnte ich als Musterteile probieren, sie waren zufälligerweise in den gewählten Stoffen greifbar. Zwar nicht beide in meinen Größen, ich konnte aber dennoch einen guten Eindruck von der Farbwirkung gewinnen. Anschließend haben wir Futterstoffe und Knöpfe ausgewählt.
Ergänzend schlug man mir einen leichten Sommermantel aus einem wasserdichten Stoff vor. Es handelt sich um ein Gewebe aus reiner Wolle, das mit einer Membran hinterlegt wird. Diese Methode, Mäntel wasserdicht zu machen, kenne ich von englischen Fieldcoats aus Tweed. Die italienischen Stoffe im Bündel bei MOND sind klassische „Overcoatings“, für den Sommer als Mittelgewicht.
Als Modell habe ich einen Kurzmantel gewählt. Die zwei Außen- und zwei Innentaschen sind mit Reißverschlüssen ausgestattet, die Front ist geknöpft.
Am Schluss konnte ich dank des KI-Tools eine Vorschau auf die bestellten Teile sehen, wie sie an mir aussehen werden. Ich war positiv überrascht, wie gut die Darstellung aussah. Mein Gesicht wurde mit dem Tablet fotografiert, von der KI auf den Körperscan gesetzt und schließlich mit den gewünschten Teilen angezogen.
Die erfolgreiche Fertigprobe
Ein paar Wochen später haben wir uns in Hamburg wiedergesehen. Als Erstes habe ich die Hosen probiert. Sie saßen auf Anhieb optimal. Dann das Sakko aus braunem Glencheck: Es saß ebenfalls sehr gut. Es waren keine Änderungen nötig.


Auf die Tebajacke war ich besonders gespannt. Ihre Passform war ebenfalls sehr gut. Das Modell ist etwas weniger weit geschnitten als meine spanischen Konfektions-Tebajacken. Dadurch wirkt sie ein wenig eleganter. Die Gesamtlänge, die etwas kürzer gradiert wurde als bei dem Sakko, ist optimal für meine Proportionen.
Schließlich noch der Mantel. Er sitzt sehr gut über einem Sakko, passt aber auch gut über Hemd oder Pullover. Wie gut der Stoff funktioniert, erwies sich eine halbe Stunde später. Als wir die fertigen Teile in der Innenstadt fotografierten, setzte, mitten im Sommer, ein Hamburger Dauerregen ein.
Fazit: MOND hat für mich auf Anhieb sehr gut sitzende Teile geliefert. Änderungen waren nicht nötig. Die Verarbeitung ist auf sehr gutem Konfektionsniveau, im Fall des Sakkos mit Half-Canvas.


Die fertigen Maßteile







Das Fazit: Zufriedenheit
Wie immer bei Maßkonfektion hängt das Ergebnis sicherlich von dem Verkäufer ab. Was wir beim Maßnehmen gemeinsam entschieden haben, also die Ärmel- und Hosenlängen, die Ärmelweite, die Weite des Hosenbeins, die Weite an der Taille und die Gesamtlänge der Jacken, wurde exakt umgesetzt.



