Manuela Pott vor ihrem Atelier POTT Manufacture in der Berliner Pasteurstraße

Manuela Pott „Manu’facture“

Denim nach Maß

Denim ist lange kein Stoff mehr für Arbeitskleidung. In Deutschland war es das ohnehin nie. Und der Großteil der weltweiten Produktion dieses Stoffs geht in die Massenmode. Denim hat aber auch eine edle Seite. Japanische Weber liefern heute die besten Denimstoffe. Ihre Liebe zur authentischen amerikanischen Bekleidungskultur verbindet sich mit der großen Textiltradition ihres Landes. Das Ergebnis sind Denimstoffe vom Feinsten. Auch die Berliner Schneiderin Manuela Pott, die in ihrem Atelier in Prenzlauer Berg Jeans einzeln nach Maß näht, verwendet Denim aus Japan.

In der Pasteurstraße

Regal im Atelier mit fertigen Jacken, Jeans und Kurzwaren von POTT Manufacture

Das Geschäft, in dessen hinteren Räumen die Hosen genäht werden, liegt in der Pasteurstraße. Das ist ein ruhiges Wohngebiet, der Volkspark Friedrichshain liegt nur ein paar Gehminuten entfernt. Einzelhandel gibt es zwar, doch der liegt ein paar Ecken weiter. Maßkleidung erwartet man hier nicht. Aber es geht auch nicht um Herrenschneiderei, jedenfalls im Sinne von Anzug, Sakko und Mantel. Sehr wohl aber um das wohl beliebteste Beinkleid der meisten Deutschen.

Wer die Adresse selbst besuchen möchte: Wir haben POTT Manufacture mit der genauen Adresse auch in unserem Adressbuch verzeichnet, Sie finden es unter feineherr.de/map/.

Die Lieblingsjeans nachbilden

Manuela Pott beim Zuschnitt von Denimstoff in ihrem Atelier

Manuela Pott ist seit über sechzehn Jahren selbstständig, in der Pasteurstraße ist sie seit gut zwei Jahren anzutreffen. Sie hat in Berlin Bekleidungsgestaltung studiert, hat Schneiderin gelernt und Kostüme am Theater genäht. Ihre Passion sind aber Jeans. Als passionierte Jeansträgerin kennt sie das Problem, das viele mit den Denimhosen haben. „Man hat eine Jeans, die einem richtig gut gefällt und perfekt passt. Und ein paar Saisons später gibt es sie nicht mehr.“

Diese „Lieblingsjeans“, der man im Laden umsonst nachjagt, liefert Manuela Pott. So steht es auch auf ihrer Visitenkarte, sie „bildet Lieblingshosen nach.“ Praktisch läuft das so ab, dass sie die Kunden bittet, ihr die Jeans zu zeigen, die am besten sitzt. Also die Lieblingsjeans. Daran, wie sie sitzt, kann die Schneiderin vieles ablesen und einen Schnitt konstruieren. Sie arbeitet nicht mit einer Nesselprobe, auch auf eine Anprobe im herkömmlichen Sinn verzichtet sie. Die Jeans des Kunden ist für sie so etwas wie eine erste Probe.

Maßarbeit zu fairen Preisen

Handschriftlicher Bestellzettel mit Skizze und Maßen für eine Maßjeans

Manuela Pott arbeitet zwar nach Maß, sie will aber preislich in relativ normalen Regionen bleiben. „Bei mir geht die Maßjeans bei 330 Euro los, damit bleibe ich für viele erschwinglich“. Das ist ihr wichtig, da nicht alle Kunden bei ihr nur Individualität oder besten Denim aus Japan suchen. „Viele Stammkunden suchen einfach Jeans, die sie von der Passform nicht im Laden bekommen.“ Die genauen Preise sind auf ihrer Webseite zu finden. Dort werden auch die Stoffe genau beschrieben.

Denim aus Japan

Denimstoffballen im Regal des Ateliers
Gefalteter japanischer Denimstoff mit heller Webkante

Der harte Kern der Kundschaft sind Männer, viele sind in der Welt des Heritage-Looks zu Hause. Die meisten wollen schweren, dunkelblauen Denim aus Japan. Manuela Pott rollt ein wenig Stoff als Beispiel von der Rolle ab. „Der hier ist von Kuroki, den habe ich von 9 bis 21 Unzen am Lager.“

Sie kauft die Stoffe in größeren Mengen ein und kann so einen günstigeren Preis kalkulieren.

Neben Denim gibt es bei ihr auch Baumwollstoffe für Berufskleidung von 245 bis 350 g und Schurwollstoffe von 330 bis 990 g. „Manche Kunden lassen sich ihre Jeans aus anderen Stoffen nachschneidern, z. B. aus schwerem Wollstoff mit Nadelstreifen“.

Individuell bis ins Detail

Taschenbeutel mit gemustertem Innenfutter wird gewendet
Kupferner Nietknopf an der Gesäßtasche mit oranger Steppnaht
Gesäßtasche einer Maßjeans mit Lederpatch von POTT Manufacture
Innentasche mit japanischem Asanoha-Muster und Leder-Bundverstärkung

Wenn der Stoff feststeht, kann der Kunde die Zahl, Form und Anordnung der Taschen bestimmen, die Futterstoffe aussuchen sowie Knöpfe und Garn auswählen. Auch die Form der Stickerei ist im Rahmen des technisch Möglichen frei gestaltbar. Initialen sind natürlich auch möglich. „Oft bleiben Kunden nach dem ersten Paar ihrem Modell treu, einigen mache ich seit 15 Jahren den immer gleichen Schnitt. Nur halt in wechselnden Stoffen“.

Am Anfang hat Manuela Pott Jacken nach Maß gefertigt, inzwischen beschränkt sie sich auf Westen. „Mein Fokus liegt auf den Hosen. Ich kann zwar Sakkos nähen, in Einzelanfertigung nach Maß wird es dann aber sehr teuer“. Die meisten kommen ohnehin wegen der Hosen. Warum Frauen seltener den Weg zu ihr finden, weiß Manuela Pott nicht. Wenn, dann sind die Kundinnen meistens sehr individuell und wissen genau, was sie wollen. Auf keinen Fall aber das, was der Modemainstream bietet.

Retro-Schnitte und historische Vorbilder

Trends zeichnen sich bei ihr nicht ab, denn die Kunden sind Individualisten. Es gibt aber eine gewisse Vorliebe für Jeans im Retro-Stil, hoch geschnitten, manchmal mit Rückengurt und Knöpfen für Hosenträger. Auch Hosen mit Schlag werden häufiger bestellt. Inspiration können sich die Kunden in ausliegenden Fotobänden holen. Manuela Pott hat die Geschichte der Jeans studiert und kennt die historischen Modelle genau.

„Jeans waren am Anfang Arbeitshosen, keine Kleidung für Reiche. Und sie wurden mit besonderen Maschinen genäht.“ Was auch mit den dicken Stoffen zu tun hat, die vor dem ersten Waschen sehr sperrig sind. Für die meisten Kunden wäscht Manuela Pott die gewählte Ware einmal bei 40 Grad vor dem Zuschnitt. Andere wollen ihn ungewaschen. Das muss sie beim Zuschnitt beachten, denn der Denim geht beim ersten Waschen etwas ein.

Lieferzeit und Anprobe

Dank ihrer Arbeitsweise beträgt die Lieferzeit 2 bis 3 Wochen. „Ich habe die Stoffe hier, ich mache alles selbst hier im Laden.“ Im Notfall geht auch mal schneller. Natürlich wird die Hose erst einmal anprobiert, wenn sie fertig ist. Das ist für Kunde und Schneiderin immer ein spannender Moment. In aller Regel passt sie auf Anhieb. „Es ist halt Maßarbeit“.

Der Änderungsservice mit der Union Special

Manuela Pott an der historischen Union-Special-Nähmaschine

Wer noch nicht bei ihr bestellt hat, kann trotzdem ihren „hemming service“ in Anspruch nehmen. „Viele Änderungsschneider können keinen authentischen Saum liefern. Ich mache ihn mit einer amerikanischen Maschine von 1931, die aus einer Levi’s-Fabrik stammt“. Diese Maschine, eine „Union Special“, funktioniert trotz ihres Alters einwandfrei. Manch einer, der wegen einer Änderung erstmals das Geschäft betritt, bestellt übrigens am Ende eine neue Hose. Was kein Kalkül ist, jedoch ein willkommener Nebeneffekt.

Manuela Pott vor dem Eingang von POTT Manufacture in der Pasteurstraße

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