Kommentare oder Fragen? Bernhard Roetzel antwortet.
Es ist ein kühler Morgen in Berlin. Die Markthalle ist zwar schon geöffnet, doch die Stände sind unbesetzt. Kehrausstimmung am Tagesbeginn. Doch das stört uns nicht. So können wir uns in Ruhe umsehen nach Spuren Englands in Deutschland.
Die Halle ist aus Backsteinen gemauert, das allein erinnert schon an London. Und wenn der Blick sich nach oben richtet, sieht man eine viktorianisch anmutende Deckenkonstruktion aus Glas und Stahl. So sieht es auch in vielen englischen Schuhmanufakturen in Northampton aus.

Englische Inseln in Deutschland
Wer England liebt, entdeckt in vielen Städten und Landstrichen Deutschlands Bezüge zum Vereinigten Königreich. Und er kann selbst englische Akzente setzen, englische Inseln in Deutschland. So wie wir mit den Teilen aus dem aktuellen Herbstkatalog von The British Shop.
Als wir ihn durchgesehen haben, wurde uns schnell klar, dass wir den Strick in den Mittelpunkt stellen. Der „Sweater“ ist ein Herzstück des britischen Looks. Britischer Strick stand zuallererst für Sport – in den 1920ern wurde der „Sweater“ in der ganzen Welt zum Inbegriff englischer Lebensart.
Strick steht aber auch für das Wochenende auf dem Land, für Arbeit im Garten, Spaziergänge, Abende am offenen Kamin, den Pubbesuch vor dem „Sunday lunch“. Und natürlich für das urbane England, für das Wochenende in der Stadt.
Als ich 1979 das erste Mal in Kent war, brachte ich als Souvenir einen weinroten Shetlandpullover mit zurück. Er war jahrelang mein Lieblingsstück. Ein Vierteljahrhundert später erstand ich meinen ersten Aran-Pullover. Ich liebe den Klassiker aus Irland, in Grün hatte ich ihn noch nie probiert. Nun hatte ich die Gelegenheit.
Das erste Outfit: grüner Aran-Pullover und Steppjacke
Das erste Outfit: Ein grüner Aran-Pullover in prägnantem Zopfstrick, dazu eine Thermohose im Five-Pocket-Schnitt von Charles Robertson mit weichem und wirklich warmem Karofutter. Und als Abschluss eine leichte Steppjacke von Barbour in der sehr englischen Farbe „toffee“.
Der Aran-Pullover ist definitiv warm. Doch der Zopfstrick lässt viel Luft durch. Wenn man beim Bummeln viel von Kalt nach Warm und wieder zurück wechselt, ist dieser Pullover deshalb ideal. Auch mit einem T-Shirt darunter sieht er gut aus.
Die leichte Steppjacke kann man auch mal unter den Arm klemmen oder in den Shopper stopfen. Sie ist total unempfindlich. Auf Reisen im Zug oder auf dem Autorücksitz ist sie, zusammengerollt, ein gutes Kissen. Zusammen mit dem Pullover wärmt sie richtig gut.
Das zweite Outfit: blauer Turtleneck und Prince-of-Wales-Check
Der zweite Pullover ist ein „turtleneck“ aus der schottischen Traditionsstrickerei William Lockie. Er ist uns sofort aufgefallen. Sein leuchtendes Blau ist in gewisser Weise noch englischer als das konservativere „Marine“. Mein erster Doppelreiher nach Maß aus London hatte ein Futter genau in dieser Farbe.
Die Briten lieben solche Farbtupfer, mit denen sie allzu viel Harmonie gern brechen. Aber es gilt dabei die Regel, „gern ein Hingucker, nie mehr als zwei“. Deshalb haben wir uns bei der Jacke für einen herrlich verwischten, fast pastelligen Prince-of-Wales-Check in Graubraun entschieden, den Beaver’s Fulham sehr aufwändig verarbeitet hat. Als ruhiger Hintergrund für das Dessin der Jacke fungiert eine beige Kordhose von Charles Robertson.

Die Jacke ist ein gutes Beispiel für britisches Understatement. Im Vorbeigehen sieht man das Karomuster und vielleicht noch die klassische Dreiknopffront. Um die Handwärmertaschen zu entdecken und die schlitzlose Rückseite, muss man schon genauer hinsehen.
Das aufwändige und sehr stilvolle Innenleben kennt nur ihr Träger. Der Doubleface-Stoff hat innen eine schwer zu beschreibende, gleichwohl sehr attraktive Farbe. Ist das „buff“, die Farbe der Cutweste? Oder doch eher „off white“ oder „stone“? Wie gut, dass das lila Halbfutter den Blick darauf am Rücken freilässt. Dazu paspelierte Kanten in derselben Farbe.



Die Kombination war ideal für die Fortsetzung unserer Stadterkundung mit Blick auf britischen Charakter. Den entdeckten wir in einem kleinen Café, dessen Einrichtung uns an London erinnerte. Die Stühle, die Farben, das Holz. Tee gab es nicht, dafür aber sehr guten Kaffee. Und den lieben die Briten bekanntlich ja auch.


Unsere Sakkojacke wäre an kälteren Tagen als dem des Frühherbstes, an dem wir die Fotos geschossen haben, spaziergangstauglich. Einfach den Kragen hochschlagen, die Hände in die wärmenden Taschen vor der Brust schieben und loswandern.
Wenn man dann auf einer Parkbank die Wintersonne genießt und die Jacke wie ein Plaid über die Knie breitet, erweist sich die Innentasche mit Reißverschluss als sehr praktisch. Da kann nichts herausfallen, genauso wenig wie aus den aufgesetzten Außentaschen mit geknöpfter Patte. Wodurch sich dieses Outfit auch für Reisen empfiehlt. Vielleicht nach England? Auch das wäre ein schönes Thema.









