Kommentare oder Fragen? Bernhard Roetzel antwortet.
Fotos: Michael Frick
Unsere Stammleser wissen, dass wir ein Faible für München haben. Was nicht nur daran liegt, dass viele Herren dort Wert auf gutes Auftreten legen.
München ist in gewisser Weise eine Hochburg des Stils. Nicht so wie Wien, auf jeden Fall aber mehr als die anderen deutschen Großstädte.
Die Redensart, dass München der nördlichste Außenposten Italiens ist, stimmt ansatzweise. Wenn wir an Norditalien denken.

Zu Besuch bei Massura in Schwabing
Als ich vor ein paar Wochen wegen einer Recherche in München war, hatte ich Gelegenheit, das Geschäft von Massura in Schwabing zu besuchen.
Über Massura, seine Macher und ihr spezielles Angebot von Maßkleidung haben wir schon mehrmals berichtet. Eine Stärke des Hauses waren immer die Mäntel.
Im Artikel über Manuela Leis haben wir auch schon über Mäntel geschrieben.


Einzelstücke auf Basis einer Kollektion
Massura fertigt nicht in der Weise nach Maß wie Manuela Leis in Berlin. Doch auch sie liefern Einzelstücke. Jedoch basierend auf einer Kollektion, die immer wieder überarbeitet wird. Deshalb gibt es Musterteile als Inspiration für die Kunden. Einige davon passten mir.


Außerdem durfte ich einen Mantel überziehen, der für einen Kunden gefertigt wurde. Dann war da noch ein Mantel, der für mich zu groß war. Ich wurde sitzend darin fotografiert. Auch wenn er nicht genau gepasst hat, konnte ich das Tragegefühl spüren, die Verarbeitung und den Stoff.

Linea Classica und Linea Maestro
Massura bietet bei Mänteln zwei Linien an. Die Linea Classica und die Linea Maestro. Die Linea Classica wird mit einem höheren Anteil an Maschinenarbeit gefertigt. Die Linea Maestro ist handgemacht. Beide Linien werden, wie die ganze Kollektion, in einer Manufaktur in der Toskana gefertigt.
Die gezeigten Mäntel stammen alle aus der letzteren Linie, also der Linea Maestro. Was beim Tragen spürbar ist. Sie sind sehr weich verarbeitet und die schweren Stoffe fühlen sich gewissermaßen leicht an. Was mit den Einlagen zu tun hat, dem Schnitt, aber eben auch mit der händischen Verarbeitung.

Bei der Linea Maestro ist gegen Aufpreis ein „basted fitting“ möglich, was jedoch in den meisten Fällen nicht nötig ist. Vor allem, wenn der Kunde schon Anzüge oder ein Sakko von Massura bekommen hat.
Raglan, Ulster und Wettermantel
Der Raglan-Mantel wurde aus einem Wolltuch von Dugdale Bros. genäht. Der dunkelblaue Ulster ist aus Baby-Kamelhaar von Piacenza.



Für den tintenblauen Wettermantel wurde Ventile eingesetzt, das legendäre wasserabweisende Baumwollgewebe, das in der Schweiz bei Stotz gewebt wird. Ventile wird auf dem kontinentaleuropäischen Markt als EtaProof verkauft.



Mehr als ein Nebendarsteller
Mäntel sind für mich mehr als Nebendarsteller. Auch wenn sie oft in diese Rolle gedrängt werden. Der Mantel verhüllt draußen auf der Straße den Anzug oder das Sakko. Wir sehen nur noch einen Teil der Hosen und die Schuhe. Der Mantel muss stilistisch die Führung übernehmen.
Deshalb ist der richtige Mantel so wichtig. Er trägt nach außen, was unter ihm verborgen ist. Er umhüllt unseren Körper und verrät gleichzeitig viel über unsere Persönlichkeit.

Die Bilder hat der Münchener Fotograf Michael Frick geschossen. Er hat sie uns freundlicherweise für diesen Artikel zur Verfügung gestellt. Wir meinen, dass es ihm sehr gut gelungen ist, Schnitt und Stoff lebendig werden zu lassen.
Die Adresse von Massura in Schwabing finden Sie auch in unserem Adressbuch.

