Kommentare oder Fragen? Bernhard Roetzel antwortet.
Ed.Meier in München ist Deutschlands ältestes Schuhhaus. Die gegenwärtige Generation der Inhaber, Peter Eduard Meier und seine Schwester Brigitte, hat das Geschäft in den letzten gut 30 Jahren in einen Herren- und Damenausstatter mit umfangreicher Kollektion ausgebaut.
Alles, was in dem zweistöckigen Laden in der Brienner Straße in den Regalen liegt oder hängt, wurde von dem Geschwisterpaar gestaltet, entwickelt oder ausgesucht. Von den Leisten der Schuhe über jedes Kleidungsstück, Accessoire und Pflegemittel bis hin zur kleinsten Zutat. Alles wird exklusiv für Ed.Meier gefertigt und ist so nur dort zu haben.

Mehr als drei Jahrzehnte mit Ed.Meier
Ich kenne das Geschäft seit Ende der 1980er Jahre. Damals war es noch am alten Standort gegenüber der Oper, ganz in der Nähe von Max Dietl. Dieses Geschäft war schmal und tief. Wer es nicht mehr kennengelernt hat, kann es auf der Schuhpflege-DVD von Ed.Meier im Hintergrund sehen, das dort gedreht worden ist.
Tatsächlich habe ich bei Ed.Meier zunächst Kleidung gekauft, die Schuhe erst seit 1999. Ich erinnere mich an einen der legendären „Sales“ am alten Standort. In einem Hinterzimmer entdeckte ich einen dunkelgrauen Covertcoat mit schwarzem Samtkragen auf einer Kleiderstange. Diesen Mantel habe ich viele Jahre lang zum dunklen Anzug oder Smoking getragen.
Hemden und Krawatten
Innerhalb des Kleidungsangebots nehmen die Hemden und die Krawatten eine besondere Stellung ein. Die Hemden hat Peter Eduard Meier aus seinem persönlichen Maßhemdenschnitt entwickelt. Das ursprüngliche Herrenhemd von Ed.Meier hatte einen leicht gespreizten, sehr hohen und weichen, unfixierten Kragen. Die breite Knopfmanschette war ebenfalls unfixiert, die Ärmel füllig geschnitten und der Rumpf extrem weit und lang. Bei mir reicht so ein Hemd bis an die Knie.
Die Hemden sind ein gutes Beispiel dafür, dass bei Ed.Meier jedes Produkt ganz subjektiv dem Geschmack und den Vorlieben der Inhaber entspricht. Die Kleidungsstücke und Accessoires werden nicht auf den Kunden hin entwickelt, sondern rein nach den Vorstellungen von Peter Eduard oder Brigitte Meier. Gleichwohl treffen sie damit sehr oft den Geschmack ihrer Kunden. So auch mit den Hemden.
Inzwischen wurde die Hemdenkollektion erweitert, sie umfasst jetzt auch Hemden mit Doppelmanschetten und mit etwas konventionellerem Rumpfschnitt. Das klassische Ed.Meier-Hemd ist aber nach wie vor ein Klassiker. Man bekommt es in vielen Stoffvarianten, ein kräftiger hellblauer Oxford und die typischen Thomas-Mason-Streifen sind immer zu haben.
Die Krawattenkollektion von Ed.Meier ist für alle, die sich nicht am Trend orientieren, eine Wohltat und Fundgrube. Man bekommt zu jeder Saison eine breite Auswahl an absolut zeitlosen, handgemachten Langbindern aus Seide und Wolle. Die Farben und Dessins werden teilweise exklusiv für Ed.Meier gewebt. Bei den Streifen kann man sichergehen, dass man nicht aus Versehen Farbkombinationen ersteht, die zu tragen einem nicht zusteht.
Wenn es also Streifenbinder gibt, die scheinbar einer bestimmten Regimentskrawatte gleichen, z. B. dem Binder der „Brigade of Guards“, dann ist die Breite oder Anordnung der Farben so, dass die Krawatte vom Original des Regiments abweicht.

Die Krawatte dieser Folge
Ich weiß leider nicht mehr, wann ich die Streifenkrawatte, die wir heute vorstellen, gekauft habe. Das ist ungewöhnlich, da ich in der Regel bei allen meinen Krawatten (und allen anderen Sachen auch) weiß, wann und wo ich sie erstanden habe. Ich besitze die Krawatte aber sicherlich seit gut 20 Jahren.
Maße und Machart
Die Krawatte ist mit 8 cm Breite eher schmal. Die Gesamtlänge misst 154 cm, was 2 cm mehr ist als meine neueste Krawatte von E. Marinella. Der Binder ist an der Innenseite der Spitzen mit dem Oberstoff gefüttert („self-tipping“). Auffällig und damals typisch für Ed.Meier ist der sichtbar ausgeführte Handstich in rostrotem Seidengarn.
Die Seide ist ein relativ dicker Seidenjacquard, die Streifen sind also nicht aufgedruckt, sondern gewebt. Ein Four-in-hand-Knoten hat durch die Seide und die Einlage für meinen Geschmack genau das richtige Volumen. Ein Hinweis auf das Herstellerland ist nicht zu finden. Ich vermute aber, dass sie in Italien genäht wurde.




Zu Tweed und Loden
Bei den Fotoaufnahmen ist mir aufgefallen, dass die Krawatte an den Enden ein wenig abgestoßen ist. Ich habe sie aber auch viel getragen. Besonders gern zu Tweed und zu Loden. Wenn ich Bilder dieser Krawatte im Internet teile, kommen oftmals Reaktionen aus Spanien auf die Farben.
In gleicher Machart gab es damals einen Binder in Dunkelblau und Magenta, den Farben der Brigade of Guards. Aber in anderer Breite der Streifen. Ich bedaure immer noch ein wenig, dass ich sie mir damals nicht auch geholt habe. Aber vielleicht finde ich diesen Streifen bei meinem nächsten Besuch bei Ed.Meier wieder vor.


